Karriereirrtümer

"Leistung allein bringt Sie nicht weiter"

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
In Krisenzeiten versinken viele in Schockstarre, anstatt ihre Karriere weiter voranzubringen. Karrierecoach Martin Wehrle erklärt, welche Strategien weiterhelfen: Tipps für Bewerbung, Gehaltsverhandlung, Mitarbeitergespräch und Networking.

CW: In Ihrem neuen Buch"Lexikon der Karriereirrtümer"stimmen Sie nicht in den momentanen Katzenjammer ein. Wie verändern sich in Krisenzeiten die Karrierechancen?

WEHRLE: Es ist wichtig zu wissen, dass es nur zu einem geringen Teil von der erbrachten Leistung abhängt, ob jemand befördert oder entlassen wird. Studien zeigen, dass eine Beförderung nur zu zehn Prozent mit der Leistung einer Person zu tun hat. Wesentlich wichtiger ist PR in eigener Sache, also über seine Erfolge zu sprechen und Networking innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu betreiben. Viele halten das für überflüssig, doch gerade darin liegt eine wichtige Chance.

CW: Es ist immer wieder zu hören, dass viele IT-Mitarbeiter ihr Selbst-Marketing vernachlässigen. Was empfehlen Sie?

Martin Wehrle, Karriereberater: "Niemand sollte Loyalität von seinem Arbeitgeber erwarten."
Martin Wehrle, Karriereberater: "Niemand sollte Loyalität von seinem Arbeitgeber erwarten."

WEHRLE: Wer in seiner Arbeit und über seine erbrachte Leistung ein hohes Maß an Erfüllung erfährt, wie das häufig bei IT-Spezialisten und auch Ingenieuren der Fall ist, spricht nicht so gerne darüber. Die wenigsten möchten sich bei ihrem Chef anbiedern. Doch für die Karriere im Unternehmen ist es unumgänglich, über eigene Erfolge mit dem Vorgesetzten zu sprechen.

Ergreifen Sie in Meetings das Wort

CW: Wie kann denn ein schüchterner Mensch lernen, über die eigene Arbeit zu sprechen, ohne dass es komisch oder antrainiert wirkt?

WEHRLE: Meistens sprechen Mitarbeiter einmal pro Woche mit ihrem direkten Vorgesetzten. Diese Gespräche sollten sie nutzen, beispielsweise um im Report zum Projektstand eigene Erfolge hervorzuheben. Selbst wenn es Probleme im Projekt gibt, halte ich es für wichtig, über Fortschritte und den eigenen Beitrag zum Gelingen zu sprechen. Außerdem ist es wichtig, in Meetings das Wort zu ergreifen. Wer nur schüchtern dabeisitzt, nur antwortet, wenn er gefragt wird, und sich nicht aktiv an der Diskussion beteiligt, wird leicht übersehen. In wichtigen E-Mail-Korrespondenzen sollte der Chef in Kopie gesetzt werden.