Effizienz

Legendäre 20-Prozent-Regelung bei Google "ruht"

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Die berühmte 20-Prozent-Regelung für Google-Entwickler kommt offenbar praktisch nicht mehr zur Anwendung.

Das geht aus einem Bericht bei "Quartz" vom Freitag und einer daraus resultierenden Diskussion bei "Hacker News" hervor. Christopher Mims berichtete bei "Quartz" zunächst, dass Entwickler nur dann noch 20 Prozent ihrer Arbeitszeit für "private" Projekte abzwacken dürfen, wenn ihr Vorgesetzter das abnickt. Die Manager allerdings würden an der Produktivität ihrer Teams gemessen - und die entsprechenden Ziele seien halt so angesetzt, dass die Mitarbeiter ihrer Kernaufgabe 100 Prozent ihrer Zeit widmeten. Damit sei die Relegung effektiv gestorben.

Mims relativierte seine Meldung anschließend noch dahingehend, dass die 20-Prozent-Regelung nicht etwa tot sei, sondern sich lediglich in eine "120-Prozent-Zeit" verwandelt habe - sprich Side Projects fänden nur mehr in der Freizeit statt.

Google sei mittlerweile eindeutig zu dem Schluss gekommen, dass es effizienter sei, die Mehrheit seiner Mitarbeiter ausschließlich ihren Job machen zu lassen und für neue "Moonshot"-Ideen eine dedizierte und gut finanzierte Abteilung wie Google X einzusetzen, kommentiert Max Nisen bei "Business Insider". Google sei einfach zu groß geworden, um so unkonventionell oder demokratisch zu sein wie in der Vergangenheit.

Casey Johnston bläst bei "Ars Technica" im Prinzip ins selbe Horn - die 20-Prozent-Regelung habe einen bestimmten Zweck erfüllt zu einer Zeit, als Google sich und seine Produkte noch etablieren musste und so viele neue Sachen wie möglich erfinden wollte. Diesen Modus habe der Konzern längst verlassen. Der wahre Feind für die 20 Prozent sei das "Weniger ist mehr" - Google brauche aber genau diesen Fokus, wenn es seine Dienste konsolidieren und optimieren wolle.