Ein Mausklick macht satt

Lebensmittel verschenken statt wegwerfen

12.12.2012
Der Urlaub naht und der Kühlschrank ist voll? Party vorbei, aber der Salat reicht noch für zwei Dutzend Leute? Ein neues Internetportal will dabei helfen, weniger Nahrungsmittel wegzuwerfen.
Bei foodsharing.de kann man alles verschenken, was man auch selbst essen mag.
Bei foodsharing.de kann man alles verschenken, was man auch selbst essen mag.

Tag für Tag wirft jeder Bundesbürger ein Steak in den Müll. Oder auch zwei Äpfel. 220 Gramm pro Tag summieren sich auf über 80 Kilogramm im Jahr, die für den Haushalt gekauft und dann weggeschmissen werden. Oft sogar noch in der Originalverpackung. Nur ein Bruchteil dieser Lebensmittel ist verdorben. "Aber ab heute gilt die Ausrede nicht mehr, dass man nicht weiß, wohin mit den überzähligen Lebensmitteln", sagt Raphael Fellmer von foodsharing e.V. Über die gleichnamige - ehrenamtlich initiierte - Internet-Plattform foodsharing.de können Lebensmittel unkompliziert verschenkt und gesucht werden - völlig kostenlos. Auch NABU und Slow Food unterstützen das Projekt.

Wie funktioniert das?

Man meldet sich auf der Website an und richtet einen Warenkorb mit den Lebensmitteln ein, die man abgeben möchte. Als Suchender forscht man auf der Umgebungskarte nach passenden Angeboten, kontaktiert den Schenker und holt die Gaben ab. Noch einfacher soll es 2013 werden, dann wird über eine Smartphone-App sogar die (Fahrrad-)Route dazu angezeigt. Gleichzeitig können Anbieter auch signalisieren, wenn sie zusammen mit anderen kochen wollen.

Was kann man weitergeben?

"Alles das, was ich essen mag, kann ich auch meinem Nachbarn anbieten", sagt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast. Bis auf wenige Ausnahmen - Hackfleisch, Fisch oder roh verarbeitete Eier - kann das also auch ein fertig gekochter Eintopf oder eine halbe Tüte Mohrrüben sein. "Wir sollten die Hemmschwelle überwinden, dass es einem peinlich ist, Essen von anderen anzunehmen", sagte Fellmer. Peinlich sei die Alternative, Essen einfach wegzuwerfen.

Was ist mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum?

Auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) betonte jüngst in der Aufklärungsaktion "Teller statt Tonne", dass das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) nur eine Qualitätszusage und eine Art "Noch-nicht-Wegwerf-Datum" ist. Oft sind die Lebensmittel noch wesentlich länger frisch, gesund und genießbar. Deshalb können auf der Plattform auch solche Lebensmittel angeboten werden - mit Haftungsausschluss für den Schenker. Motto: Nicht dem MHD, sondern den eigenen Sinnen vertrauen.

Wie gehen Supermärkte damit um?

Drei bis vier Tage vor dem Ablaufdatum werden die Waren entweder im Preis reduziert oder an Tafeln weitergegeben. Ab Ablauftag müssen sie dann raus aus dem Regal. Diese Waren werden dann - wie etwa bei der Berliner Kette Bio Company - zunächst den eigenen Mitarbeitern angeboten. Was übrig bleibt, können sich "Lebensmittelretter" von foodsharing abholen.

Was kann eine solche Plattform außerdem bringen?

Zum Beispiel mehr Gemeinsamkeit, sagt die Soziologin Elisabeth Meyer-Renschhausen (FU Berlin), die auch über Trends wie das "Urbane Gärtnern" forscht. "Das ist eine in jeder Hinsicht sinnvolle Idee, die die Aufmerksamkeit wieder auf den Wert von Lebensmitteln lenkt." Das Angebot passe zur wachsenden Zahl von Tauschbörsen und internationalen Bewegungen, die neue Community-Formen bilden. "Wir müssen vom Gipfel des Wachstums schließlich langsam wieder herunterklettern und diese Initiativen zeigen, dass das gar kein Verlust ist." (dpa(tc)

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