Auch in Amerika Reliance-Namen abgelegt:

Leasco: Nur noch kurze Lebensdauer für 370-Konzept

12.01.1979

NEW YORK/BERGISCH GLADBACH - Das europäische Management hatte diese Forderung zwar immer wieder auf den Tisch gelegt, doch erst jetzt, nachdem die angeschlagene Versicherungsgruppe Reliance durch die Frischzellen der Leasco Corp. gesundet ist, darf die Leasco auch in den USA wieder unter ihrem ursprünglichen Namen auftreten. Fortan werden - bei gleichem Management und gleichen Besitzverhältnissen - die Computer Leasing-Aktivitäten weltweit unter dem Namen Leasco durchgeführt.

Das europäische, Leasco-Management bewies seinerzeit Autarkie, hier wurde die Umtaufe in Reliance nie vollzogen. Die jetzt in den USA "neu" gegründete Leasco Corp. fungiert als Holding der Leasco Comp. Inc. (für das US-Geschäft) und die Leasco Europe Ltd. Die Leasco Corp. kann mit einem Eigenkapital von 35 Millionen Dollar operieren, nachdem die Aktien des Unternehmens im Verhältnis von 6: 1 als Dividende an die Aktionäre der Reliance Group ausgeschüttet worden sind. Zu dem Grundkapital von 10 Millionen Dollar übernahm die Reliance Group 25 Millionen Dollar Vorzugsaktien der Leasco. Die Reliance arbeitet nun "sauber getrennt" als Versicherungsholding.

Das Assekuranz-Unternehmen erzielte 1977 einen Reingewinn von 82,3 Millionen Dollar und beziffert seine Aktiva auf 2,3 Milliarden Dollar.

In der Bundesrepublik will die Leasco, GmbH (Bergisch Gladbach) in diesem Jahr etwa 50 Millionen Mark investieren; etwa 30 bis 40 Prozent des europäischen Umsatzes (120 bis 150 Millionen Mark) realisiert die Leasco, nach Angaben ihres Geschäftsführers Karl Bucht und Watzmann.

Gegenwärtig manövriert die Leasco wieder nach ihrem erprobten Rezept, kein Operating-Leasing anzubieten, wenn die Ablöse bestimmter Systeme bevorsteht. So wurde 1969 das Operating-Leasing (bei dem der Leasinggeber das Risiko des Remarketing trägt) für die 360er eingestellt und erst 1970/71 das Operating-Leasing für die 370 aufgenommen, das Anfang 1974 eingestellt wurde. Auch für IMBs 303X-Serie gibt es nur Finanzierungsleasing, "weil wir für diese Anlagen von IBM her keine große Lebensdauer ins Feld führen können", argumentiert Kirstein.

Der Leasco-Mann rechnet fest damit, daß 1982 "neues Equipment bereits steht und nicht erst announced wird, wie IBM behauptet". Kirstein folgert die IBM-Politik aus der Notwendigkeit, daß "IBM etwas gegen die Serie 7.000 von Siemens tun muß. Denn Siemens geht aggressiv in den Markt und hat bewiesen, daß sie Anlagen bauen kann".

Das Lob für die Nummer zwei au deutschen Markt kann die Leasco aber nicht bewegen, Siemens ins Operating-Leasing zu übernehmen. "Da müßten wir schon die Sicherheit haben, daß wir die Anlagen im Remarketing nach drei, vier Jahren wieder umsetzen können." Dies aber wäre bei einem Marktanteil, wie ihn Siemens hat, nicht gegeben. Selbst wenn die Münchener auf 20 bis 22 Prozent hochkommen, was Kirstein annimmt - erst bei 35 Prozent Marktanteil ist man nach Leasco-Sicht ernst zu nehmen So gibt's für Siemens auch nur das, was es für die neuen Großrechner des Marktführers gibt: Finanzierungs-Leasing.

Allerings: Während sich die Leasco bislang weltweit auf Großrechner beschränkte (in der Bundesrepublik hat die Leasco 60 Maschinen ab der 7125 im Feld), soll die nun finanziell gestärkte Division gezielt "kleinere Anlagen angehen". Die kleineren Anlagen präzisiert Kirstein als System /38 und 8100, "eben alles, was so über das System /3 geht".