Statt Insellösungen

Layer will das mobile Messaging einen

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Fast jeder Smartphone-Nutzer hat mehr als eine Messaging-App auf seinem Gerät - und jede davon ist eine Insellösung.

WhatsApp, iMessage, Hangouts, Facebook Messenger, Line, Tango - die Liste ließe sich noch fast beliebig verlängern. Und jede dieser mobilen Messaging-Apps lässt ihre Nutzer nur unter sich kommunizieren. Das erinnert irgendwie an das Instant-Messaging-Dilemma der vergangenen Dekade(n) auf PCs und Macs. Da gab es mit XMPP, auch bekannt als Jabber, immerhin zwischenzeitlich mal Hoffnung auf einen Brückenschlag - auch wenn der letztlich nicht zustandekam.

Layer wirbt mit dem Slogan "Von Entwicklern für Entwickler".
Layer wirbt mit dem Slogan "Von Entwicklern für Entwickler".

Instant Messaging hat sich mittlerweile stark vom Rechner auf Smartphones verlagert. Geblieben sind die vielen Insellösungen, die ihre Nutzer innerhalb ihres "Walled Gardens" halten wollen. XMPP-Erfinder Jeremie Miller will das jetzt ändern. Er hat gerade als Chief Scientist beim Startup Layer in San Francisco angeheuert. Dort arbeiten bereits andere Experten, die früher unter anderem für GrandCentral (heute Google Voice), OpenDSN oder Vox.io tätig waren.

Layer hat einem Bericht von "The Verge" zufolge zwei Ziele: Zum einen will die Firma ein "schlüsselfertiges" Messaging-Backend anbieten, das App-Entwickler gegen kleines Geld und mit ein paar Lines of Code in ihre Progrämmchen einbauen können. Layer will außerdem neue Messaging-Protokolle für beispielsweise Verschlüsselung oder dynamisches Routing entwickeln und im Sommer kommenden Jahres allesamt Open Source stellen. Sein SDK will Layer kostenlos zur Verfügung stellen, Entwickler sollen erst ab einer (noch nicht näher spezifizierten) kritischen Nutzermasse für den Service zahlen.

Ob das Ganze abhebt - Investoren wie Yahoo-Mitgründer Jerry Yang glauben offenbar daran - bleibt abzuwarten. "Wir gehen an Bord für eine lange Reise", orakelt Jeremie Miller. "Für mich ist es ein Lebenswerk, ein wirklich gutes Kommunikationssystem zu machen, und Layer kann man als Schutzpatron dafür sehen."