Diebold-Studie steckt neues Betätigungsfeld der DV ab:

Landwirte werden computerreif

01.02.1980

FRANKFURT (je) - Ein Absatzpotential von 5000 bis 10 000 Kleinrechnern während der nächsten fünf bis sieben Jahre auf dem Markt der deutschen Agrarwirtschaft ist nach Auffassung der Diebold Deutschland GmbH, Frankfurt, keineswegs utopisch. Der von Diebold herausgegebene Management Report - letzte Ausgabe 1979 - sieht die Probleme bei der Erschließung dieses Marktes kaum auf Hardwareseite, wohl aber im Bereich geeigneter Softwareprodukte und Vertriebswege.

Den Anstoß dafür, daß Deutschlands Agrarier inzwischen als "serienreif" betrachtet werden können, liefern vor allem

a) die Bauern selbst - mit steigendem Bildungsgrad der nachwachsenden Landwirte-Generation steigt auch die Aufgeschlossenheit gegenüber der Elektronik - und

b) der wachsende Kostendruck nicht nur auf dem Gebiet der Energiekosten, dem mit genauer Kenntnis aktueller betrieblicher Zahlen zu begegnen ist.

Wie im Markt der landwirtschaftlichen EDV-Anwender die - im Sinne des Wortes - Ausgangssituation aussieht, umreißt Diebold mit diesen Fakten:

- Die von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) anläßlich der Systems '79 durchgeführte Informationstagung hatte unter anderem zum Ergebnis, daß die DLG-Ausstellung in Hannover (September 1980) um eine EDV-Sonderschau erweitert werden soll.

- Erhebungen der DLG brachten an den Tag, daß von der Gesamtdurchlaufzeit zu verarbeitender landwirtschaftlicher Betriebsdaten 31 Prozent auf die Datenerfassung und 63 Prozent auf weitere Datenaufbereitung in"Buchstellen" etc. entfallen.

Die DLG hat das Institut für landwirtschaftliche Betriebslehre an der Universität Gießen beauftragt, Kleinrechner-Software für Problemlösungen aus dem landwirtschaftlichen Rechnungswesen zu entwickeln.

- Die in Münster erscheinende Fachzeitschrift "Top Agrar" hat ein Koordinationsabkommen mit dem Mikrocomputerhersteller Commodore getroffen, um eine integrierte Branchenlösung anbieten zu können.

- Zu den Hardwareherstellern, die bereits spezielle Softwaremoduln für die Landwirtschaft anbieten, gehört Texas Instruments.

- Rund 67 000 Landwirtschaftsbetriebe nutzen die Datenverarbeitung außer Haus; doch die Programme, die in den Service-Rechenzentren eingesetzt werden, sind teilweise zehn Jahre alt und mehr.

- Von den rund 840 000 landwirtschaftlichen Betrieben in der Bundesrepublik sind etwa 90 Prozent mit Fernsehern und über 60 Prozent mit Telefon ausgerüstet - günstige Ausgangslagen für ein "grünes" Bildschirmtext-Angebot.

- Diebold hat auch Berechnungen über die Zahl der potentiellen Marktteilnehmer auf Abnehmerseite angestellt. Demnach dürften zunächst einmal die über 29 000 landwirtschaftlichen Betriebe mit mehr als 50 Hektar Nutzfläche (75 Prozent davon liegen im nördlichen Bundesgebiet) interessante Ansprechpartner sein. Nach einem anderen Rechnungssatz sind die rund 132 000 buchführenden Betriebe (darunter immerhin 67 000 mit RZ-Hilfe) für die In-house-DV prädestiniert - oder aber für verbesserte RZ-Leistungen zugänglich. Diese Zahl kann sich erhöhen um 25 000 trotz bestehender Pflicht nicht-buchführende und weitere 70 000 voraussichtlich buchführungspflichtig werdende Betriebe.

Wenig Erfolg verspricht nach Diebold-Ansicht der direkte Vertriebsweg vom Hersteller zum Benutzer. Mehr Aussichten geben die Marktforscher dem Weg über den Büromaschinenhändler, den Landmaschinenanbieter, den Genossenschaften oder freien Steuerberatern. Die Innovationsberater in Landwirtschaftskammern, -ämtern und -schulen wirken, wie Diebold erkannt hat, nicht immer als Vertriebsverstärker, "da sie nicht selten noch konservativer als der zu beratende Landwirt denken und handeln."