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Lässt Bertelsmann Napster fallen?

31.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nachdem Thomas Middelhoff nicht mehr Chef des Bertelsmann-Konzerns ist, wachsen die Zweifel an einer Zukunft der Musiktauschbörse Napster. Middelhoff war die treibende Kraft in diesem Geschäftsfeld des Medienhauses. Bertelsmann war im Jahr 2000 bei Napster eingestiegen. Noch im vergangenen Mai hatte Middelhoff angekündigt, die Tauschbörse vollständig zu übernehmen.

Allerdings stand der restliche Bertelsmann-Vorstand nicht vorbehaltlos hinter der Strategie, in Sachen Internet und Online-Musik weiter zu expandieren. Ohne Protegé Middelhoff könnte Napster vor dem Aus stehen.

Die Tauschbörse ist mit mehr als 100 Millionen Dollar verschuldet und streitet sich mit Musikkonzernen wie Warner Music, EMI und Sony vor Gericht. Die Labels sehen in dem freien Tausch von Musiktiteln eine Verletzung von Urheberrechten. Bertelsmann wollte Napster als Abonnement-Dienst weiterführen und dafür entsprechende Rechte an den Titeln erwerben. Doch auch ohne diese Ausgaben hat der Konzern bisher mindestens 80 Millionen Dollar in Napster investiert.

Selbst wenn das Projekt auch ohne Middelhoff fortbesteht, dürfte der Konkurrenzdruck die weitere Existenz zumindest gefährden. Kostenlose Musikbörsen wie Kazaa oder Morpheus haben die Lücke, die Napster hinterließ, längst geschlossen. (bw)