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L&H-CEO zahlt eine Menge für eigene Aktien

18.08.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Eine aktuelle Pflichtveröffentlichung des belgischen Softwarehauses Lernout & Hauspie hat eine eigenartige Transaktion ans Tageslicht gebracht: Der Chief Executive Officer (CEO) des Unternehmens, Gaston Bastiaens, hat am 27. Juli dieses Jahres 625 000 Aktien seiner eigenen Firma von einem ihrer Gründer, Paul Lernout, gekauft. An und für sich nichts Ungewöhnliches. Nur zahlte Bastiaens 40 Dollar je Anteilschein, ein Premium von mehr als einem Drittel auf den damaligen Tageskurs von knapp unter 30 Dollar. Analysten bezeichneten die Transaktion laut "Wall Street Journal" als "sehr ungewöhnlich". Es wäre für Bastiaens vermutlich ein Leichtes gewesen, in ein paar Tagen die gleiche Aktienmenge zu einem deutlich günstigeren Preis am freien Markt anzukaufen.

Ein Sprecher von Lernout & Hauspie erklärte dazu, Lernout habe seine Anteile rasch verkaufen wollen (ihm gehören weiterhin rund 16 Prozent des nach ihm benannten Unternehmens), um seine Finanzierung einer gemeinnützigen belgischen Stiftung fortzuführen, die sich für die Weiterentwicklung von Sprachtechnik einsetze. Bastiaens sei zu jener Zeit "voll überzeugt" [bullish] von der Aktie gewesen. Beide Herren hätten bereits zuvor über einen privaten Deal verhandelt, als der L&H-Kurs noch näher bei 40 Dollar stand. Am freien Markt habe Bastiaens auch nicht einkaufen dürfen, weil zwei Wochen später die Veröffentlichung der Quartalsergebnisse anstand. Das hohe Premium habe der CEO unter anderem deshalb bezahlt, um Vorwürfe eines "Freundschaftspreises" von vornherein zu entkräften, so der Sprecher weiter.