Digitale Spielgefährten

Kurz angetestet: Orbotix Sphero und Ollie

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
So traurig es auf den ersten Blick ist: Damit ein Spielzeug heutzutage nicht gleich wieder in der Ecke landet, muss es entweder rund sein oder mindestens eine App besitzen. So gesehen erfüllt Orbotix bei seinen ferngesteuerten Robotern Sphero und Ollie gleich beide Voraussetzungen.

Da mittlerweile fast jeder Jugendlicher und teilweise auch Kinder ein Smartphone besitzen, ist es kein Wunder, dass es für immer mehr Spielzeuge zusammen mit einer oder mehreren Apps erscheinen. Bekanntestes Beispiel sind die verschiedenen Fluggeräte wie die AR.Drone von Parrot, aber auch Klassiker wie Märklin-Eisenbahn und Carrera-Rennbahn haben bereits das App-Zeitalter erreicht. Etwas abstrakter wie die ferngesteuerten Autos und Eisenbahnen sind die von der US-Firma Orbotix herausgebrachten Spielgeräte Sphero und Ollie.

Roboter-Kugel mit vielen Spielmöglichkeiten

Die Roboterkugel Sphero ist wasserfest und stabil.
Die Roboterkugel Sphero ist wasserfest und stabil.
Foto: Orbotix

Sphero ist eine fast unzerstörbare wasserfeste und schwimmfähige Kugel, die von Motoren im Inneren angetrieben wird. Sie verfügt über Bewegungssensoren, Gyroskop, einen digitalen Kompass sowie farbige LEDS, mit denen sich das Aussehen per App verändern lässt. Um die bereits 2012 erschienene Roboter-Kugel ist mittlerweile ein ganzes Ökosystem aus Zubehör und Apps entstanden. Bei der von Orbotix angebotenen Zusatzausrüstung reicht die Auswahl von verschiedenen Hüllen über Bauteilen für einen Hindernis-Parcours.

Die Apps wiederum erstellte Orbotix nicht ausschließlich im Alleingang, sondern stellte verschiedene SDKs für Entwickler bereit. Die dadurch entstandenen Apps erweitern das Angebot an Spielmöglichkeiten drastisch und damit die adressierbare Nutzergruppe. Neben der primären Zielgruppe Kinder haben etwa Jugendliche und Eltern ihren Spaß an dafür entwickelten Zombie-Apps und Party-Spielen. Nicht zuletzt sollen sich auch einige Hunde und Katzen (sowie deren Besitzer) für die dank Polycarbonat-Hülle ziemlich stabile Roboterkugel begeistern - auch hier gibt es natürlich passende Apps für Android und iOS. In den USA wird der Sphero-Ball sogar dazu eingesetzt, um bei Kindern die Lust zum Programmieren zu wecken. Auch eine Nutzung des Sphero als Spiele-Controller ist mit der richtigen App (Sphero Exile) möglich.

Rund um die Roboterkugel Sphero entstand ein Ökosystem mit mehr als 30 Apps.
Rund um die Roboterkugel Sphero entstand ein Ökosystem mit mehr als 30 Apps.
Foto: Google/Screenshot

Einen Wermutstropfen gibt es: Der Preis ist mit mehr als 120 Euro trotz der wertigen Bauteile nicht eben günstig, wenngleich die breite Auswahl an Apps über eine lange Zeit hinweg für Spielspaß garantieren.

Ollie, die rasante Roboterwalze

Die Roboterwalze Ollie macht vor allem draußen Spass.
Die Roboterwalze Ollie macht vor allem draußen Spass.
Foto: Orbotix

Nach dem Sphero Ball hat Orbotix pünktlich zum Weihnachtsgeschäft 2014 das walzenförmige Spielgerät Ollie auf den Markt gebracht. Ähnlich wie der Sphero wird auch Ollie via Bluetooth mit einem Android- oder iOS-Gerät verbunden und über eine spezielle App gesteuert. Außerdem weißt der mit unter hundert Euro deutlich günstigere Ollie ähnliche Innereien auf. Damit enden aber auch schon die Gemeinsamkeiten: Ollie ist wegen des Walzenantriebs nicht wasserdicht, weniger stabil, hasst (und fürchtet) Hunde, kann den meisten von ihnen aber wegen einer Endgeschwindigkeit von über 20 Stundenkilometer problemlos entkommen. Grenzen setzt dabei allerdings die Bluetooth-Verbindung des verbundenen Smartphones oder Tablets von etwa 30 Meter. Wegen dieser Geschwindigkeit und der stabileren Fahrweise kann man den Ollie auch gut zu Spaziergängen oder auf den Spielplatz mitnehmen - beim Sphero-Ball gestaltet sich dies (außer in der Jackentasche) etwas mühsam.

Mit seinem Fokus auf Geschwindigkeit und Tricks hat Hersteller Orbotix als Zielgruppe die etwas ältere Skateboard-Generation ins Auge gefasst. Daher auch der etwas irreführende Name Ollie - das gleichnamige Kunststück ist mit dem Spielgerät wohl kaum möglich. Dafür dreht es sich im Trick-Modus der Ollie-App blitzschnell um die eigene Achse und macht verschiedene Figuren, die dann in der Ollie-App entsprechend benannt und bewertet werden. Apropos Apps: Aktuell sind vier Apps verfügbar:

  • die Standard-App Ollie mit Steuerungs- und Trick-Modus;

  • Zeichnen + Rollen (Draw N' Drive): Weg vorzeichnen, den Ollie dann nachfährt. Farbe wechseln;

  • MacroLab zum Erstellen einfacher Makros; sowie

  • OrbBasic zum Ausführen einfacher Programme.

Die Chancen stehen allerdings nicht schlecht, dass auch hier bald eine ganze Reihe an neuen Apps aus dem Boden schießen. Unter anderem ist gut denkbar, dass etliche Anwendungen für den Sphero-Ball an Ollie angepasst werden.

Die Qual der Wahl: Sphero oder Ollie?

Wie bereits dargestellt, unterscheiden Sphero und Ollie sich trotz des gleichen Herstellers in der Nutzung deutlich. Dennoch (oder gerade deshalb) fällt uns die Wahl eines Favoriten schwer: Der kleine Sphero-Ball begeistert durch die dank des reichen App-Angebots vielfältigen Spielmöglichkeiten, nervt auf der anderen Seite jedoch durch die nicht ganz triviale Steuerung. Gerade, wenn man noch nicht so geübt ist, scheinen Ecken und Hindernisse die Spaßkugel bei der Indoor-Nutzung geradezu anzuziehen und erfordern im Anschluss dann eine mühsame Bergung. Außen ist die Nutzung zumindest ohne Hund, also etwa bei Spaziergängen, eher müßig, da der Sphero-Ball schon recht langsam ist und für die Fahrt auf schlechtem Untergrund und Steigungen einfach untermotorisiert ist.

Im Gegensatz dazu ist Ollie eher im Freien in seinem Metier, die Walze eignet sich hervorragend für geteerten oder sandigen Untergrund, während sie bei Rasen aber sehr schnell kapituliert. In den vier Wänden ist die Rolle dagegen aber schnell fehl am Platz - zumindest unter normalen Wohnverhältnissen stößt man schnell an das nächste Hindernis und auch an den räumlich noch möglichen Kunststücken verliert man schnell die Lust.