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Kurth entlässt Telekom bei Auslandsgesprächen aus Regulierung

22.11.2005
Die Deutsche Telekom darf künftig ihre Tarife für Auslandstelefonate ohne Kontrolle durch die Bundesnetzagentur festlegen.

Auf Grund der jüngsten Entwicklungen sei der Konzern nicht mehr als marktbeherrschend anzusehen, sagte der Präsident der Behörde, Matthias Kurth, am Dienstag in Bonn. Damit entlässt die oberste Aufsichtsbehörde den Ex-Monopolisten erstmals in einem bedeutenden Teilmarkt aus der Regulierung. Allerdings muss die EU-Kommission die Entscheidung noch absegnen.

Kurth begründete den Rückzug unter anderem mit dem gesunkenen Marktanteil der Telekom bei Auslandsgesprächen von unter 40 Prozent. Insgesamt geht es nach weiteren Angaben der Bundesnetzagentur um ein Marktvolumen von knapp einer Milliarde Euro. Bei Inlandsgesprächen liegt der Wert bei rund sieben Milliarden Euro. "Wir machen weder Zugeständnisse noch faule Kompromisse", betonte Kurth. Alle Entscheidungen würden nach umfangreichem Faktenstudium und ausführlichen Analysen getroffen.

Der Regulierungschef äußerte sich zufrieden über die Entwicklung des Wettbewerbs, unterstrich allerdings die Notwendigkeit, dass große Teile des Telekommunikationsmarktes weiterhin reguliert werden müssten. Eine vorzeitige Lockerung wäre gefährlich für die erfreulichen Entwicklungen des Wettbewerbs. Als Beispiel nannte er die Leitungen zum Endkunden (TAL), bei denen die Telekom eine marktbeherrschende Stellung habe.

Keine klaren Aussagen machte Kurth zu den Forderungen der Telekom, beim Ausbau des Glasfasernetzes vorübergehend von der Regulierung befreit zu werden. Während die EU-Kommission das so genannte VDSL-Geschäft als einen Markt sieht, der kontrolliert werden müsse, betrachtet die Bundesnetzagentur die Produkte als eigenen Markt. "Die Chance, dass ein neuer Markt entsteht, ist nicht auszuschließen", begründete Kurth seine Haltung. Erst wenn sich die Infrastruktur etabliert habe und Auswirkungen entfalte, soll über eine Regulierung entschieden werden.

Die Pläne der Telekom, einen Regulierungsschutz für sein Glasfasernetz zu erhalten, sind bei den Wettbewerbern auf entschiedenen Widerstand gestoßen. Wolfgang Essig, Vorsitzender der Geschäftsführung von Colt Telecom, sprach von einer Mogelpackung. Die Telekom wolle sich durch Investitionen in den Glasfaserausbau nur aus der Regulierung kaufen und die Wettbewerber ausschließen. "Es wird überhaupt nichts Neues angeboten", sagte VATM-Chef Jürgen Grützner der dpa. Dass die Telekom mit DSL eine Monopolstellung innehatte, dürfe sich jetzt nicht wiederholen.

Bis Ende 2007 will die Telekom mit Investitionen in Höhe von drei Milliarden Euro 50 deutsche Großstädte mit einem superschnellen Hochgeschwindigkeitsnetz zu versorgen, das Daten bis zu 50 mal schneller überträgt als im herkömmlichen heutigen DSL-Netz. Die ersten Städte sollen bereits im kommenden Jahr zur Fußball-WM angeschlossen sein. Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hat allerdings Rahmenbedingungen gefordert, die das Einstreichen von Pioniergewinnen ermöglichen. (dpa/tc)