Netzneutralität

Kritik an Telekom-Plänen für Daten-Obergrenze

23.04.2013
Die Telekom trifft mit ihren Plänen für Daten-Obergrenzen im Festnetz auf massive Kritik. Vor allem Internet-Aktivisten sehen den gleichberechtigen Zugang zu Netz-Ressoucen in Gefahr. Konkurrent Vodafone will bei den Drosselungsplänen nicht mitziehen.
VDSL-Kabelverzweiger der Telekom am Straßenrand
VDSL-Kabelverzweiger der Telekom am Straßenrand
Foto: Telekom

Die Pläne der Deutschen Telekom, das Internet-Tempo ab einem bestimmten Datenvolumen zu drosseln, haben heftige Kritik ausgelöst. Internet-Nutzer regten sich bei Online-Diensten über die "Drosselkom" auf, Sascha Lobo sieht bei "Spiegel Online" das Netz von der Telekom erdrosselt, Grünen-Politiker Malte Spitz warnte in einem "Zeit"-Beitrag vor dem "Ende des Internets wie wir es kennen". Rivale Vodafone will keine Obergrenzen im Festnetz einführen: "Wir haben keine Pläne, die DSL-Geschwindigkeit unserer Kunden zu drosseln", sagte ein Sprecher am Dienstag. Es wurde erwartet, dass andere Anbieter mitziehen, wenn einer den Anfang macht.

Die Telekom hatte am Montag angekündigt, dass für Neukunden vom 2. Mai an vertragliche Obergrenzen für den monatlichen Datenverkehr bei Festnetz-Flatrates gelten werden. So kann die Telekom bei Leitungen mit einer Geschwindigkeit bis 16 Megabit pro Sekunde die Geschwindigkeit drosseln, wenn das Datenvolumen 75 Gigabyte überschreitet. Die Tempo-Bremse solle nach derzeitigen Planungen aber erst 2016 greifen.

Das Telekom-Internetfernsehen "Entertain" soll nicht auf das Highspeed-Volumen angerechnet werden.
Das Telekom-Internetfernsehen "Entertain" soll nicht auf das Highspeed-Volumen angerechnet werden.

Für besondere Aufregung sorgt, dass die Nutzung des hauseigenen Videodienstes Entertain nicht auf das Daten-Kontingent draufgerechnet wird. Wenn man sich seine Filme aber bei Apples iTunes oder Streaming-Diensten wie Amazons Lovefilm oder dem deutschen Anbieter Watchever abruft, liefe nach heutigem Stand der Zähler. Bei der Telekom heißt es, solche Dienste könnten eine Partnerschaft eingehen, und dann als vom Netzbetreiber garantierte "Managed Services" ebenfalls nicht auf das Daten-Kontingent mitgerechnet werden. Managed Services würden "in einer höheren und gesicherten Qualität produziert und vom Kunden gesondert bezahlt".

"Es geht darum, die Netzneutralität abzuschaffen", wetterte Grünen-Netzpolitiker Spitz in seinem Beitrag in der Online-Ausgabe der "Zeit". Als Netzneutralität wird der Zugang zu Netzressourcen ohne Diskriminierung bezeichnet: Alle Daten sollen gleichberechtigt durchgeleitet werden. Netzaktivist Sascha Lobo warnte bei "Spiegel Online" vor einer Benachteiligung kleinerer Anbieter: "Google könnte jeden noch so datenintensiven Dienst auf den Markt werfen". Die Piratenpartei forderte, Netzneutralität gesetzlich festzuschreiben.

Blick in ein Telekom-Multifunktionsgehäuse
Blick in ein Telekom-Multifunktionsgehäuse
Foto: Telekom

Wenn es stimme, dass derzeit nur drei Prozent der Kunden die am Montag vorgestellten Obergrenzen überschritten, gehe es derzeit lediglich um 44 Millionen Euro im Jahr, gab Spitz zu bedenken. Allerding ist davon auszugehen, dass in den kommenden drei Jahren noch viel mehr HD-Video mit einem hohen Datenvolumen aus dem Netz abgerufen wird.

Die Telekom verpackte ihre Pressemitteilung am Dienstag nochmal in Form von Fragen und Antworten. Dabei wurde auch gefragt: "Verstößt die Telekom damit nicht gegen die Netzneutralität?" Der Konzern verneint dies, da Entertain und Sprachtelefonie eben Managed Services seien. Reguläre Internetdienste würden diskriminierungsfrei nach dem "Best-Effort"-Prinzip behandelt - "so gut es die zur Verfügung stehenden Ressourcen ermöglichen". Das gelte auch für Internetdienste der Telekom. (dpa/tc)