Mangelware DSL

Kritik am Breitbandatlas wird lauter

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Die "Initiative gegen digitale Spaltung geteilt.de" geht hart mit dem aktuellen Breitbandatlas des BMWi zu Gericht. Nach Ansicht der Initiative basiert das Werk auf Phantasiezahlen.

Geht es um die Breitbandversorgung in der Bundesrepublik Deutschland, dann ist der Breitbandatlas des Bundeswirtschaftsministeriums hierzulande das Standardwerk, um die Verfügbarkeit schneller Internet-Zugänge für eine Region herauszufinden. Glaubt man dem Werk, so besteht für 98 Prozent der Haushalte inzwischen die Möglichkeit, Zugänge mit mindestens 384 Kbit/s zu nutzen, 92 Prozent stünde sogar mindestens 1 Mbit/s zur Verfügung.

Diese Angaben bezweifelt allerdings die Initiative geteilt.de. So kritisiert Bernd Rudolph, Pressesprecher der vor drei Jahren gegründeten Initiative: "Die Grundlage ist falsch. Unternehmen liefern Daten auf der Basis der Freiwilligkeit. Niemand prüft scheinbar ausreichend, ob das Ganze schlüssig ist." Seine Behauptung untermauert Rudolph mit einem Beispiel aus dem sächsischen Freiberg. Laut dem neuen Breitbandatlas sollen dort für den schnellen Internet-Zugang zwei bis drei Kerntechniken - nämlich DSL, Funk und UMTS - verfügbar sein. Dennoch bemühen sich nach Darstellung der Initiative die Einwohner dort seit Jahren vergeblich um einen breitbandigen Internet-Anschluss. Dem Pressesprecher zufolge dürfte dies kein Einzelfall sein, sondern es Millionen von Betroffenen geben, die sich nach einem Blick in den Breitbandatlas fragen, "wozu mit hunderttausenden Euro Steuergeldern eine Datenerhebung durchgeführt wird, die hinten und vorne nicht stimmt."

Auch den Zahlen zum Ausbautempo in Sachen Breitband steht die Initiative kritisch gegenüber. Glaube man den Zahlen des BMWi, wonach seit Herbst 2008 die Verfügbarkeit von Internet-Zugängen mit mindestens 1 Mbit/s um rund fünf Prozent gestiegen sei, dann hätten fast zwei Millionen Haushaltsanschlüsse in wenigen Monaten ausgebaut werden müssen. In Wirklichkeit passiere jedoch weniger. So wirft geteilt.de der Bundesregierung denn auch vor, lediglich öffentlichkeitswirksamen Aktionismus zu betreiben. Ohne eine gesetzlich garantierte flächendeckende Grundversorgung, so die Forderung der Initiative, werde sich an der Situation wenig ändern.