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Krisenstimmung bei OpenWave

26.03.2007
Beim Anbieter von Kommunikationssoftware OpenWave läuft das Geschäft schon länger nicht mehr rund. Jetzt ist Firmenchef David Peterschmidt zurückgetreten und OpenWave prüft "strategische Alternativen" bis hin zum kompletten Verkauf.

Dabei lässt sich die im kalifornischen Redwood City ansässige Firma von Merrill Lynch beraten. Peterschmidt bleibt Mitglied des Verwaltungsrats und leitet dessen "Komitee für strategische Alternativen". Neuer Chief Executive Officer (CEO) ist Rober Vrij. Der frühere EMEA-Chef von Lucent war Anfang des Jahres als Executive Vice President of Worldwide Field Operations zu OpenWave gestoßen.

OpenWave hat außerdem seine Prognose für die kommenden zwei Quartale (31. März und 30. Juni) gestrichen, da seine Einnahmen weiter fallen. Für das dritte Fiskalquartal legt die Firma am 25. April Zahlen vor. Es baut gerade sein Produktportfolio um und erwartet nun für das Q3 nur noch 65 bis 70 Millionen Dollar Umsatz. Ein Jahr zuvor hatte es noch 113 Millionen Dollar umgesetzt und noch im Januar für das dritte Quartal Einnahmen von 91 Millionen Dollar in Aussicht gestellt.

Der Aktienkurs von OpenWave ist in den vergangenen zwölf Monaten um 50 Prozent gefallen. Im Januar wurde deswegen zur Besänftigung der Anleger ein Aktienrückkaufprogramm über 100 Millionen Dollar gestartet, in dessen Rahmen bis dato über vier Millionen Anteile aus dem Verkehr gezogen wurden.

Was die verärgerten Anleger aber nicht davon abhielt, einen Kandidaten der Investment-Gruppe Harbinger Capital Partners in den Verwaltungsrat zu wählen, die zehn Prozent an OpenWave hält und die strategische Ausrichtung der Firma in der Vergangenheit kritisiert hatte.

In den letzten fünf Jahren gab es bei OpenWave allein sechs Restrukturierungen, und für das Ende Dezember abgeschlossene zweite Fiskalquartal wies das Unternehmen auf Basis um fast 20 Prozent gesunkener Erlöse von 84 Millionen Dollar einen Nettoverlust von 15,8 Millionen Dollar aus.

Laut Ovum-Analyst Tony Cripps kämpft OpenWave seit langem mit Problemen, die zumeist auf sein historisch komplexes Produktportfolio sowie in den letzten Jahren mangelhafte Unternehmensführung zurückzuführen seien. OpenWave habe seine Produktpalette nicht schnell genug an die sich verändernden Marktbedingungen angepasst, sagte Cripps gegenüber dem Branchendienst "Computerwire". Inzwischen aber sei der Hersteller dabei, sein Angebot erfolgreicher zu rationalisieren.

"Die neue Produktstrategie sieht vernünftiger aus", findet der Ovum-Mann. Auf der 3GSM World in Barcelona habe OpenWave gut zwei Dutzend neue Produkte vorgestellt. "Dabei geht es jetzt nur noch um die Auslieferung von Content-Diensten", so Cripps.

Für eine Firma der Größe von OpenWave sei es schwierig gewesen, einerseits gegen die großen Handybauer und Mobilfunkausrüster mit ihren enormen Ressourcen und flinke Start-ups auf der anderen Seite zu konkurrieren. Eine Prüfung der strategischen Alternativen sei da nur sinnvoll, bilanziert der Branchenkenner. (tc)