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Krise setzt Softwareanbieter unter Druck

08.04.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Während der Kampf um Bagdad noch anhält, haben Finanzexperten als Verlierer bereits die Softwarebranche ausgemacht. Die Analysten rechnen, dass ein Großteil der Softwarefirmen wegen des Irak-Kriegs und der anhaltend stagnierenden Wirtschaft nur schwache Quartalszahlen vorlegen können. Wie bereits Peoplesoft, Sybase, Webmethods oder Siebel warnten nun auch Chordiant, Manhattan Associates und Seebeyond, die Erwartungen der Wall Street bei Umsatz und/oder Ergebnis nicht erfüllen zu können.

Der kalifornische CRM-Anbieter Chordiant rechnet für die Monate Januar, Februar und März mit Einnahmen zwischen 13,5 und 14 Millionen Dollar. Die Erlöse liegen damit unter der von First Call Thomson ermittelten Durchschnittsprognose der Analysten von 16,5 Millionen Dollar. Während die Company zu dem Ergebnis keine Angaben machte, erwarten die Finanzexperten einen Verlust von vier Cent pro Aktie.

Der auf Supply-Chain-Execution-Lösungen (SCE) spezialisierte US-Anbieter Manhattan Associates ist zwar zuversichtlich, das selbst gesteckte Umsatzziel von 45 bis 46,5 Millionen Dollar zu erreichen. Der voraussichtliche Pro-forma-Gewinn soll jedoch im Bereich von 16 bis 18 Cent pro Aktie liegen und damit unter die mittlere Prognose der Wall Street (22 Cent pro Anteil) fallen.

Die kalifornische Softwareschmiede Seebeyond wiederum geht davon aus, im ersten Geschäftsquartal bei Einnahmen von 35 bis 36 Millionen Dollar einen Verlust von acht Cent pro Aktie auszuweisen. Die von First Call Thomson befragten Analysten hatten im Mittel erwartet, dass die auf Integrationslösungen spezialisierte Company nur ein Minus von fünf Cent je Anteil verbucht und 38,3 Millionen Dollar Umsatz erwirtschaftet.

Die reduzierten Erwartungen der US-Anbieter setzen auch SAP unter Druck. Das Walldorfer Softwarehaus profitiert allerdings davon, dass es erst gar keine Prognose für das erste Quartal abgegeben hat. Außerdem gehen zwar viele Analysten davon aus, dass auch SAP von der schwierigen Marktsituation betroffen ist. Nach Ansicht der meisten Finanzexperten seien jedoch keine massiven Einbrüche zu erwarten, auch die Jahresprognose des Konzerns sehen sie nicht gefährdet.

Zu den wenigen Softwareanbietern, die gegen den negativen Trend ihre Ziele erfüllen werden, zählen die Analysten Microsoft. Das Unternehmen sei weniger abhängig von Abschlüssen zum Quartalsende, schrieb die Investment-Bank UBS Warburg in ihrem jüngsten Research-Bericht. Laut mittlerer Prognose der Wall Street soll die Gates-Company in ihrem dritten Geschäftsquartal einen Gewinn von 24 Cent pro Aktie schreiben. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum wurde ein Plus von 25 Cent pro Anteil erzielt. Dem Softwarekonzern gelang es in den vergangenen Quartalen, den durch die gesunkenen PC-Käufe verursachten Umsatzrückgang mit seinem Lizenzprogramm Licensing 6 aufzufangen. Aus diesem Grund sind die Finanzexperten bei der Bekanntgabe der Ergebnisse am 15. April vor allem gespannt, wie Microsofts Prognosen zu IT-Ausgaben und zum PC-Markt lauten. (mb)