Global Sourcing

Krise fördert Nutzung von Offshore-BPO-Services

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Bislang verlagern vorrangig angloamerikanische Unternehmen ihre Geschäftsprozessen ins Niedriglohnausland. Das könnte sich aber bald ändern.

Die meisten IT-Servicanbieter behaupten heutzutage, dass sie über umfangreiche Global-Sourcing-Kapazitäten verfügen. Wirklich global agieren allerdings nur die angloamerikanischen Player, stellen die Berater von Ovum klar. Ihren Schätzungen zufolge werden zurzeit mehr als zwei Drittel des gesamten Offshore-Servicevolumens in Indien erbracht. Speziell beim Thema BPO (Business Process Outsourcing) fehlten den Anbietern in den meisten anderen Offshore-Regionen - Osteuropa, Afrika, China und Lateinamerika - die erforderlichen Skills und Kenntnisse. "Das globale Sourcing im BPO-Umfeld befindet sich noch in einer sehr frühen Phase", begründet Samad Masood, Senior Analyst bei Ovum. Es werde noch eine Weile dauern, bis das Thema auch außerhalb von Großbritannien und den USA auf breite Akzeptanz stoße.

Die Wirtschaftskrise wird die Verbreitung von Offshore-BPO allerdings beschleunigen, prognostiziert der Experte: "Immer mehr Anwenderunternehmen in Kontinentaleuropa sehen im Geschäftsprozess-Outsourcing eine gute Möglichkeit, die Kosten zu senken und die Business-Agilität zu erhöhen." Diese Firmen bevorzugten Offshore-Regionen, die ihren Bedürfnissen besser gerecht würden als das auf englischsprachige Kunden fixierte Indien. Dadurch wandle sich der Markt - von der reinen Lohnkostenbetrachtung zu einem "Best-of-Breed"-Modell, bei dem sich die Anwender jeweils geeignete Anbieter in verschiedenen Regionen zusammenstellen.