Hewlett-Packard und Oracle zoffen sich

Krach zwischen HP und Oracle wegen Itanium

25.03.2011
Zwischen Oracle und Hewlett-Packard ist ein heftiger Streit entbrannt. Gegenstand ist das von Oracle behauptete Ende der Soft- und Hardwarewareunterstützung für Systeme der "Itanium"-Prozessor-Plattform.

Oracle hatte in einer Presseerklärung bekannt gegeben, dass es alle Softwareentwicklung für Intels Itanium-Prozessor stoppt. Man habe sich zu diesem Schritt "nach mehreren Unterredungen mit dem Senior-Management von Intel" entschieden. Das Intel-Management habe klar zum Ausdruck gebracht, dass "der strategische Fokus von Intel auf ihren x86-Mikroprozessoren liege und dass die Itanium-Plattform sich dem Ende ihres Lebenszyklus nähere".

HP reagiert verärgert

Darum geht es wohl im Streit zwischen HP und Oracle: Hewlett-Packard argwöhnt, dass Oracles CEO Lawrence Ellison (rechts) die Hardwareplattform von Sun (im Bild dessen ehemaliger CEO Scott McNealy) mit Macht pushen will. Zum Nachteil der Anwender, meint HP. Foto: Oracle.
Darum geht es wohl im Streit zwischen HP und Oracle: Hewlett-Packard argwöhnt, dass Oracles CEO Lawrence Ellison (rechts) die Hardwareplattform von Sun (im Bild dessen ehemaliger CEO Scott McNealy) mit Macht pushen will. Zum Nachteil der Anwender, meint HP. Foto: Oracle.

Weiter erklärt Oracle: Sowohl Microsoft als auch Redhat hätten die Entwicklung von Software für Itanium bereits gestoppt. In Richtung HP hieß es: "HPs CEO Leo Apotheker erwähnte in seiner langen und detaillierten Präsentation zur Zukunft der strategischen Ausrichtung von HP Itanium nicht".

Den zwischen den Zeilen entstehenden Eindruck, auch HP wende sich von der Itanium-Plattform ab, hat HP umgehend dementiert. Ebenfalls in einer Presseerklärung betonte das Unternehmen, es werde "die Entwicklung und Innovation der Integrity-Server-Plattform, die auf Itanium basiert, fortsetzen." Die hierzu aufgestellte Roadmap reiche über den Horizont von zehn Jahren hinaus. Auch werde man über den gleichen Zeitraum weiterhin Support für Kunden anbieten, die Oracle-Software auf Itanium-basierten Integrity-Servern nutzen.

Kommentar eines Anwenders

Auf den obigen Artikel erreichte die Redaktion der COMPUTERWOCHE folgende Stellungnahme eines Anwenders, die wir hier ungekürzt wiedergeben in der Hoffnung, eine Diskussion anzuzetteln.

Im Folgenden äußert sich Ralph Treitz, Vorstand der VMS AG, zu Oracles Schachzug, Neuentwicklungen für die Itanium-Plattform zu stoppen. Wir übernehmen seinen Meinungsbeitrag aus seinem Blog.

"Tusch. Mit einer dürren Pressemitteilung erläutert Oracle seine Haltung zu Itanium. Nachdem schon vor einigen Wochen die Unterstützung von Linux auf Itanium durch Red Hat aufgekündigt wurde, ist nun auch HP-UX in den Bann einbezogen. Und allerorts hagelt es Interpretationen, warum Larry Ellison wohl gerade jetzt die Keule gegen HP und Intel schwingt.

Dabei gibt es tatsächlich ganz einleuchtende technische Gründe. Im SAP-Umfeld sind HP-UX-Itanium-Server seit Jahren recht verbreitet und VMS hatte genügend Gelegenheit, deren Leistungsfähigkeit und Entwicklung zu untersuchen. Dabei fallen Eigenschaften auf, die auch außerhalb der SAP-Welt Geltung haben:

Schwäche bei der Performance "per core"

Die einzelnen Cores sind im Vergleich zu den x86-Prozessoren deutlich unterlegen. SAP-Kunden spüren das deutlich, wenn sie CPU-intensive Transaktionen, beispielsweise die bekannte VA01 (Anlegen Sales Order) nutzen. Letztendlich muss in einem SAP-System die kleinste Einheit (ein Dialogschritt) durch einen einzelnen Core abgearbeitet werden. Und hier sind etwa SAP-SD-lastige Systeme auf Itanium klar im Nachteil.

Die Stärke der Itanium-Prozessoren, nämlich die bessere Skalierbarkeit bei mehreren Prozessoren und Cores in einem Server, spielt für SAP-Systeme, die über mehrere Applikationsserver skalieren können, kaum eine Rolle. Lediglich als Datenbankserver waren Itanium-Systeme bis Anfang 2010 im Vorteil. Die nun aktuelle x86-Generation ist aber zu gleicher Single-Server-Performance fähig und der Vorteil von Itanium ist Vergangenheit.

Tempo der Weiterentwicklung

Im Gegensatz zu den x86-Prozessoren hat Intel die Weiterentwicklung von Itanium auf Sparflamme gekocht. Wer einem Kunden für größtmögliche Systeme in 2010 eine Fortschritt von 20 Prozent in den nächsten drei Jahren in Aussicht stellt, muss sich nicht wundern, wenn der Kunde an der Zukunftsfähigkeit der Plattform zweifelt.

Zugegeben, Larry Ellison ist immer für eine harte Attacke gegen den Wettbewerb gut. Aber für die größere Zahl der SAP-Anwender ist Itanium kein Verlust. Es bleibt also zu hoffen, dass HP seine Strategie so ausrichtet, dass es auch ohne Itanium ein starker Player im SAP Markt bleibt, da die Menge an Plattformanbietern in den letzten Jahren doch über Gebühr ausgedünnt ist.

"Schamloses Spiel"

Im Weiteren äußert sich HP außergewöhnlich deutlich und in scharfer Form zu Oracles Einlassungen. Dave Donatelli, HPs Executive Vice President und als General Manager für die Sparte Enterprise Servers, Storage and Networking zuständig, wird in der Presseerklärung mit den Worten zitiert: "Oracle fährt mit einem gegen Kunden gerichteten Verhaltensmuster fort im Bemühen, das schwächelnde Sun-Server-Geschäft zu stützen."

Donatelli fährt fort, HP glaube an fairen und ehrlichen Wettbewerb. Dieser sei gut für Kunden, für Innovation und den Markt. Aber: "Wir sind schockiert, dass Oracle Unternehmen und Behörden dem Risiko aussetzt, Hunderte von Millionen Dollar wegen vergeudeter Produktivität zu verlieren in einem schamlosen Spiel, fairen Wettbewerb zu begrenzen."

HP zitiert in seiner Presseerklärung zudem Intels President und CEO, Paul Otellini. In direktem Widerspruch zu Oracles Presseerklärung habe Otellini gesagt: "Intel setzt seine Arbeit an Itanium-Prozessoren und -Plattformen mit mehreren momentan in Entwicklung befindlichen Generationen von Chips fort. Hierbei hält Intel den geplanten Zeitplan ein." HP zitiert Otellini ferner mit der Aussage: "Intel bleibt bei seiner Verpflichtung, eine wettbewerbsfähige und über mehrere Generationen angelegte Roadmap auszuliefern für die HP-UX-Basis und andere Betriebssystemplattformen, die auf der Itanium-Architektur laufen".

Poulson im Zeitplan

HP schreibt weiter, "Poulson" sei Intels Itanium-Chip der nächsten Generation. Er besitze eine 32-Nanometer-Strukturbreite und acht Kerne und er werde die Rechenleistung der momentanen "Tukwila"-Architektur mehr als verdoppeln.

Auf Poulson werde nach der offiziellen Intel-Roadmap die "Kittson"-Generation folgen. Sie sei in der Entwicklung. Intels Itanium-Prozessorplattform und deren Bedeutung werde anlässlich einer Keynote des bevorstehenden Intel Developer’s Forum in Peking darüber hinaus noch einmal unterstrichen. (jm)