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KPNQwest-Gläubiger erwägen Übernahme

27.05.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) – Nach dem Insolvenzantrag von KPNQwest (Computerwoche online berichtete) erwägen nun offenbar die Gläubiger, den angeschlagenen Carrier zu übernehmen. Laut „Wallstreet Journal“ wandten sich die Gläubigerbanken bereits an Duncan Lewis, den früheren CEO von GTS. Der Chef des vor kurzem von KPNQwest gekauften Unternehmens soll anstelle von Jack McMasters KPNQwest leiten, berichtete die Wirtschaftzeitung unter Bezug auf informierte Kreise.

KPNQwest hatte am vergangenen Donnerstag Insolvenz angemeldet, nachdem weder die Hauptanteilseigner Qwest und KPN noch die Banken zu weiteren Finanzspritzen bereit gewesen waren. Bereits kurz davor war der Aufsichtsrat, der aus zwei Vertretern vor Qwest, zwei unabhängigen Direktoren und einem Vertreter von KPN bestand, zurückgetreten.

Der Carrier ist laut Analysten nach dem Aufbau eines paneuropäischen Glasfasernetzes mit rund 2,3 Milliarden Euro verschuldet. Aufgrund der schwachen Nachfrage und den gesunkenen Preisen für Netzwerkkapazität gelang es dem Unternehmen jedoch nicht, die Verbindlichkeiten zu senken. So hatte der niederländische IP-Dienstleister im vergangenen Geschäftsjahr trotz 75 Prozent Umsatzplus einen Nettoverlust von 266 Millionen Euro ausgewiesen, wobei steigende Zinslasten und Restrukturierungskosten mit 51,6 Millionen Euro zu Buche schlugen (Computerwoche online berichtete).

Während der Antrag auf Gläubigerschutz läuft, sucht KPNQwest nach alternativen Geldquellen und sonstigen Möglichkeiten zum Schuldenabbau, einschließlich der Abfindung von Gläubigern mit Vermögensteilen. Die Banken wiederum fordern, dass der niederländische Kabelnetzbetreiber ähnlich wie Global Crossing (Computerwoche online berichtete) Teile seines Glasfasernetzes zur Schuldendeckung verkauft. Als Interessenten werden laut "Financial Times" unter anderem die britischen Telekom-Konzerne Cable & Wireless und BT, die US-Unternehmen AT&T und Verizon sowie die spanische Telefonica gehandelt. (mb)