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KPN und Belgacom: Ehekrach noch vor der Heirat

29.08.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Fusionsverhandlungen zwischen dem Telefonkonzern KPN (Niederlande) und Belgacom (Belgien) nähern sich einen - wenn auch ungewissen - Ende. Die belgische Regierung, die im Besitz von 50,1 Prozent der Anteilscheine am belgischen Carrier ist, will die Verhandlungen abschließen, bevor KPN am Montag die Ergebnisse des ersten Halbjahres bekannt gibt. Sie verlangt aber eine Zugabe, falls sich KPNs Aktienkurs nicht erholt - entweder Geld oder ein zusätzliches Stimmrecht im Vorstand des neuen Unternehmen. Der niederländische Telefondienstleister weist diese Forderung jedoch in Hinblick auf seinen im Vergleich zum Fusionspartner mehr als doppelt so hohen Jahresumsatz zurück (Computerwoche online berichtete). Unklar ist außerdem, was

mit den Mobilfunktöchtern der beiden Unternehmen passieren soll. KPN gehört der kleine belgische Mobilfunkbetreiber KPN Orange, während Belgacom 35 Prozent der Anteile an dem niederländischen Ben hält und die belgische Mobilfunkfirma Proximus besitzt. Damit der Merger die Anforderungen der EU-Kartellbehörde erfüllt, müsste einer der beiden Konzerne seinen Mobilfunkbereich abstoßen. Die Belgier wehren sich aber dagegen, Proximus, den mit 272 Millionen Euro Jahresumsatz profitabelsten Bereich von Belgacom, zu verkaufen. Außerdem käme dafür eigentlich nur Vodafone in Frage, das bereits 25 Prozent der Aktien besitzt. Es ist es aber unwahrscheinlich, dass der britische Mobilfunkanbieter seinem Konkurrenten KPN diesen Gefallen tut. Bevor dieser Punkt nicht geklärt ist, will der niederländische Carrier aber den Fusionsvertrag nicht unterzeichnen.

Einigung besteht hingegen bereits über die Besetzung des Vorstands: Die in Brüssel ansässige und an der Amsterdamer Börse gelistete Firma wird von Belgacoms CEO John Goosens geleitet, während der niederländische Konzern den Chief Financial Officer und den Chief Operating Officer stellt.