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KPN-Mobilfunkchef nimmt überraschend seinen Hut

09.10.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Am gestrigen Montag reichte Diederik Karsten überraschend seinen Rücktritt als Chief Executive Officer (CEO) von KPN Mobile ein. Der Manager, der seit 1996 die Geschicke der KPN-Tochter leitet, wird Ende Oktober aus dem niederländischen Unternehmen ausscheiden. Zu seinem Nachfolger wurde Paul Smits (siehe Bild) bestimmt, der bislang noch Chef der Muttergesellschaft KPN ist. Er wird Anfang November wiederum von Ad Scheepbouwer abgelöst.

Gründe für den Austritt von Karsten nannte KPN nicht. Nach Ansicht von einigen Marktexperten zog der Manager jedoch die Konsequenz aus den jüngsten Rückschlägen für die Mobilfunktochter. Nachdem sich Hutchison Whampoa aus Hongkong aus der deutschen UMTS-Bieterallianz mit KPN und dem japanischen Carrier NTT Docomo im vergangenen Jahr zurückgezogen hatte, mussten die Niederländer mehr Geld für die Lizenzen auf den Tisch legen, als zuvor eingeplant. Auch die internationale Expansion von KPN Mobile trug zu einer zusätzlichen Ausweitung des Schuldenbergs bei. Zur Reduzierung der inzwischen aufgelaufenen Schulden von 22 Milliarden Dollar hatte KPN Mobile eine Fusion mit Belgacom angestrebt, die jedoch platzte. Auch der geplante Börsengang, der neue Einnahmen in die leeren Kassen gespült hätte, wurde aufgrund des derzeit schlechten Börsenklimas auf Eis gelegt.

Neben dem Rücktritt von Karsten und der Degradierung von Smits gab es weitere KPN-Management-Wechsel in diesem Jahr. Im März war Verwaltungsratsmitglied Joop Drechsel ohne Nennung von Gründen zurückgetreten. Zwei Monate später gab der TK-Anbieter eine Reihe von Änderungen in seinem Aufsichtsrat bekannt.