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Kopierschutz für DVDs ist geknackt

05.11.1999
Xing-Fehler als Achillesferse

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Drei europäische Hacker sind zum lebenden Alptraum der weltweiten Filmindustrie geworden: Sie haben den Kopierschutz von Digital Versatile Disks (DVDs) geknackt und auch gleich in ein 60 KB großes Programm namens "DeCSS" eingebaut, das eifrig durch die einschlägigen Usenet-Newsgroups und Websites geistert.

Weil das Prinzip von DeCSS so einfach ist, muß es schon verwundern, daß nicht schon früher jemand auf die Idee gekommen ist: Das Progrämmchen tut so, als sei es ein Software-DVD-Player. Statt jedoch Bild und Ton einer im DVD-ROM-Laufwerk eingelegten Silberscheibe abzuspielen, speichert es die Daten einfach auf eine Festplatte oder sonstige Medien. (Zusätzliche DVD-Funktionalität wie Ton in mehreren Sprachen geht dabei allerdings verloren.) Von dort aus lassen sie sich auf herkömmliche CDs brennen oder erneut abspielen.

Wie sich herausgestellt hat, sind die eigentlichen Filmdaten auf handelsüblichen DVDs lediglich mit einem 40 Bit langen Schlüssel im Content Scrambling System (CSS) durcheinandergewürfelt. Jeder Player - sei es Hard- oder Software - hat einen eigenen, individuellen Entschlüsselungs-Key, von denen rund 400 auf jeder Scheibe eingetragen sind, damit sie wiederum auf jedem Player läuft. Die Hersteller von Software-DVD-Playern sind dabei angewiesen, den Schlüssel im Programmcode wiederum zu verschlüsseln, um ein "Reverse Engineering" und anschließendes Auslesen durch Hacker zu verhindern.

Leider hat die inzwischen im Besitz von Real Networks befindliche Softwareschmiede Xing Technologies versäumt, ihren Abspielschlüssel entsprechend zu sichern. Deswegen hatte die Hacker-Crew MoRE ("Masters of Reverse Engineering") ein leichtes Spiel. Der Xing-Schlüssel brachte sie gleich noch auf die Spur einer ganzen Reihe weiterer Keys. Von Real Networks gab es außer einem lakonischen "Wir schauen uns die Sache an" bislang keinen Kommentar.