Konzerne etablieren eigene Jobbörse

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Mit Jobstairs.de gibt es einen weiteren virtuellen Stellenmarkt. Das Besondere am neuen Portal: 27 Großunternehmen möchten das elektronische Recruitment selbst in die Hand nehmen und sich von den etablierten Jobbörsen im Netz emanzipieren. Ob das Angebot genügend Bewerber anlocken kann, muss sich erst noch zeigen.

„Die Jobbörsen haben den Bogen überspannt“, bringt Marcus Fischer, bei Audi in Ingolstadt für das Personal-Marketing in den neuen Medien zuständig, die Unzufriedenheit einiger Arbeitgeber auf den Punkt. Die Preispolitik der elektronischen Stellenmärkte sei undurchsichtig und beliebig gewesen, erklärt Fischer den Einstieg der Ingolstädter in Jobstairs.de. Doch nicht nur Audi, auch andere Unternehmen ärgerten sich darüber. „Der Kostenfaktor war für uns ein Argument: Wir wollten ausschließlich für Leistungen bezahlen, die wir auch nutzen“, erläutert die verantwortliche Projektleiterin E-Recruiting Gabriele Hobmeier von BMW den Entschluss der Münchner, sich am Portal zu beteiligen.

Nur: Was kann eine weitere Jobbörse bieten?, fragten sich in den vergangenen Wochen viele, die vom Start der neuen Plattform Jobstairs.de erfuhren. Der Arbeitsmarkt ist am Boden, die Jobofferten der virtuellen Stellenportale nehmen sich momentan sowieso schon äußerst bescheiden aus. Der besondere Anreiz der neuen Plattform soll in ihrer Exklusivität liegen: Nur ausgewählte Großunternehmen können ihre Jobangebote dort präsentieren, die Bedingungen bestimmen die Beteiligten.

Carsten Franke, Jobstairs
Carsten Franke, Jobstairs

Die Idee zu einer eigenen, auf die Ansprüche der Unternehmen zugeschnittenen Plattform für die Vermittlung offener Stellen entstand vor eineinhalb Jahren während eines Treffens von Recruitern. Damals suchten Firmen noch händeringend qualifizierte Mitarbeiter. Da die Personalverantwortlichen viele Vakanzen neu besetzen mussten, stiegen die Kosten für die Bewerbersuche. Viele Großunternehmen berappten für die Online-Job-Postings sechsstellige Euro-Beträge. Die Preispolitik einiger Jobbörsen mit variablen Konditionen erboste so manchen Personalverantwortlichen, denn die Kosten hingen oftmals vom Verhandlungsgeschick des jeweiligen Recruiters ab.

„Die Jobbörsen gingen aus der Sicht der Großunternehmen in die falsche Richtung“, beschreibt Wolfgang Jäger, Professor am Lehrstuhl für Medienwirtschaft der Fachhochschule Wiesbaden und Moderator der Veranstaltung, die damalige Stimmung unter den Personalern. Die zusätzlichen Angebote der virtuellen Stellenmärkte wollten die Firmen nicht mitbezahlen, da sie sich davon keinen großen Mehrwert versprachen. „Eigene Befragungen der Nutzer haben gezeigt, dass den Bewerbern die zusätzlichen Features der Jobbörsen nicht wichtig sind“, fügt Fischer hinzu.

Kartell der frustrierten Personaler

Die Idee zu einer eigenen Jobbörse war daher simpel: Eine Plattform sollte die offenen Jobangebote von ausgewählten und attraktiven Unternehmen auflisten, die Bewerber direkt zur Firmen-Homepage und den eigenen Online-Recruiting-Seiten weiterleiten. Die Beteiligten investierten in die Entwicklung und hatten direktes Mitspracherecht bei der Umsetzung. Geplant und an die Wünsche der Unternehmen angepasst hat die Dr. Jäger Medien-Service und Consulting GmbH, Königstein/ Taunus, das künftige Portal. Das Rennen um die technische und gestalterische Umsetzung des Konzepts entschied die Internet-Agentur Milch & Zucker aus Bad Nauheim für sich. Der kleine, 1998 gegründete Anbieter mit 36 Mitarbeitern setzte sich gegen zehn Mitbewerber durch. Ein Kriterium für den Zuschlag war sicher, dass die Firma bereits die Karriereseiten von Großunternehmen wie der Deutschen Bank und Bertelsmann realisiert hatte. Beide Konzerne gehören auch zum Kundenkreis von Jobstairs.

Milch & Zucker stellt die Plattform zur Verfügung, programmiert die XML-Schnittstellen und kümmert sich um den Betrieb. Die Stellenangebote verwalten dagegen die Unternehmen in Eigenregie. „Für uns ist es ein Kundenprojekt wie jedes andere, das mit den üblichen Gewinnmargen kalkuliert ist“, erklärt Carsten Franke, Vorstand von Milch & Zucker sowie Sprecher von Jobstairs in Personalunion.

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