Konzentration im Softwaremarkt zwingt auch starke Unternehmen zur Fusion:Morino und Duquesne nun gemeinsam gegen CA

05.05.1989

FRANKFURT (qua) - Seitdem Computer Associates (CA) in der Softwarebranche durch Firmenübernahme das Tempo diktiert, müssen sich die Konkurrenten nach der Decke strecken. So schlossen sich jetzt Morino Associates und Duquesne Systems, bisher Wettbewerber im MVS-Markt, zur Legent Corp. zusammen.

Wir haben keine andere Wahl, wir müssen wachsen, um zu überleben", konstatiert Mario Morino, Gründer des nach ihm benannten Softwarehauses und Vorstandsvorsitzender des neuen Unternehmens. 1995 wird es nur noch fünf große Softwarehäuser geben, und wir wollen eines davon sein."

Auf die Frage, welchen Unternehmen er Überlebenschanchen einräumt, hält Morino eine überraschende Antwort für alle diejenigen bereit, die Computer Associates schon als die IBM des Softwaremarkts feiern. Der Legent-Chairman lakonisch: " CA wird jedenfalls nicht dazugehören. "

Computer Associates erzielt nach der Akquisition von Uccel und Applied Data Research (ADR) jährlich etwa zehnmal soviel Umsatz wie Morino und Duquesne zusammen, nämlich eine runde Milliarde Dollar. Wer dieser Company den Untergang prophezeit, muß dafür gute Gründe haben. Morino: "Wenn er klug ist, wird Charles Wang Computer Associates in spätestens fünf Jahren verkaufen. Diese Art von Wachstum kann nicht unbegrenzt fortgesetzt werden, und es ist günstiger, zu verkaufen, solange die Umsatzkurve noch steigt."

Der potentielle CA-Eigner werde "selbstverständlich" kein Softwarehaus sein. Morino denkt vielmehr an große Anwender wie General Motors oder Exxon. Andere Branchen-Insider hingegen verbreiten das Gerücht, ein japanischer Hardware-Anbieter, nämlich NEC, stehe bereits Gewehr bei Fuß.

Vorläufig jedoch stellt sich die Prognose Morinos für CA als reines Wunschdenken dar, bereitet eher der Appetit des Softmolochs der Branche Kopfzerbrechen: So werden vor allem MSA, Cullinet, Cincom, aber auch Pansophic, Candle und andere von Branchenkennern als potentielle Übernahmekandidaten gehandelt.

Die Fusion von Morino und Duquesne kennzeichne denn auch einen neuen Trend im Softwaremarkt: Wirtschaftlich gesunde Unternehmen bildeten Zweckgemeinschaften als Bollwerk gegen etwaige Übernahmegelüste von seiten Computer Associates. Wie Morino mitteilt, sind bereits weitere Software-Anbieter an Legent herangetreten, um über einen Zusammenschluß zu verhandeln.

Sowohl Morino Associates als auch Duquesne Systems haben sich bislang ausschließlich auf den MVS-Bereich konzentriert - abgesehen davon, daß Morino mit acht Prozent an dem britischen Unternehmen UIS beteiligt ist, das insbesondere die VMS-Felder beackert. An dieser Monokultur wird sich nach dem Willen des Chairman künftig auch nichts ändern: "Wir glauben nicht, daß der Mainframe stirbt, auch wenn er in einem verteilten System eine andere Rolle spielt."

Das neue Unternehmen wird insgesamt 40 Produkte vertreiben, von denen sich laut Morino nur zwei überschneiden. Das Personal wurde nahezu komplett übernommen; der ehemalige Duquesne-Chef Glen Chatfield fungiert als Chief Executive Officer.

Einen einheitlichen Firmensitz gibt es nicht. Vielmehr wurden die Unternehmens aufgaben geografisch getrennt: Führt Glenfield vom ehemaligen Duquesne-Hauptquartier in Pittsburgh/Pennsylvania aus die internen Geschäfte, so ist das Morino-Stammhaus in Vienna/Virginia für die Außenkonten zuständig.

Alle Anteile an einem der beiden Unternehmen wurden in Legent- Aktien umgewandelt, so daß jetzt Morino 15 Prozent und Chatfield 5 Prozent des Firmenkapital ihr eigen nennen. Ebenfalls 15 Prozent der 19,5 Millionen Anteilsscheine besitzt die General Atlantic Investments, die bislang mit 30 Prozent an Morino Associates beteiligt war. Alle weiteren Aktienpakete bleiben unterhalb der 10-Prozent-Marke.

Vertriebsabkommen gilt noch anderthalb Jahre

Im deutschsprachigen Raum war Duquesne bislang nur durch die Schweizer Agentur HIS vertreten. Das Vertriebsabkommen verliert in etwa anderthalb Jahren seine Rechtskraft. Bis dahin muß Klaus Amann, Geschäftsführer der Morino GmbH mit Sitz in Frankfurt, den Vertrieb der Duquesne-Produkte noch den Schweizern überlassen. Trotzdem, so versichert der Frankfurter, seien bereits alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Legent Deutschland GmbH ins Leben zu rufen.