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Web-Anwendung mit HBCI-Sicherheit

Kontoblick.de hilft bei der persönlichen Finanzverwaltung

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Das Münchner Start-up Kontoblick ist angetreten, Menschen die Verwaltung ihrer persönlichen Finanzen zu erleichtern.
Die Startseite von Kontoblick.de
Die Startseite von Kontoblick.de

Zu diesem Zweck bietet Kontoblick.de eine Web-Anwendung an, die ein oder auch mehrere Bankkonten, Kreditkartenumsätze und Bartransaktionen einbindet. Die Nutzung der Lösung ist zum jetzigen Zeitpunkt kostenlos, der Anbieter plant allerdings im Rahmen eines "Freemium"-Konzepts kostenpflichtige Premium-Mehrwertfunktionen (angedacht ist laut Geschäftsführer Christopher Cederskog eine jährliche Gebühr von knapp 20 Euro).

Wenn man nach der Anmeldung seine Konten anlegt, holt Kontoblick die letzten Umsätze über eine HBCI-gesicherte Verbindung ab. Unterstützt wird neben HBCI mit PIN/TAN außerdem noch der Import von CSV-Dateien. Damit unterstützt Kontoblick.de praktisch alle deutschen Geldinstitute mit Ausnahme der Commerzbank, die ihren Online-Kunden aktuell weder PIN/TAN-HBCI noch CSV-Export anbietet.

Kontoblick.de schafft Durchblick durchs Gewirr der aktuellen Transaktionen.
Kontoblick.de schafft Durchblick durchs Gewirr der aktuellen Transaktionen.

Die HBCI-Verbindung zur Hausbank erfolgt ausschließlich zwischen dem vom Kontoblick-Nutzer verwendeten PC und den Rechnern der Bank. Die importierten Daten werden allerdings dann auf den Servern von Kontoblick.de gespeichert - selbstredend verschlüsselt und mit strikter Trennung von Nutzer- und Transaktionsdaten. Cederskog betonte gegenüber der COMPUTERWOCHE ausdrücklich, dass die Integrität der Nutzerdaten für seine Firma das höchste Gut darstellt und systemseitig entsprechend großer Wert darauf gelegt wird, dass jeglicher Missbrauch von vornherein ausgeschlossen ist. Trotzdem dürften Sicherheitsbedenken der größte Hemmschuh bei der Gewinnung neuer Nutzer sein.

Kontoblick.de funktioniert derzeit - ähnlich wie die Lösung des US-Anbieters Mint.com - rein lesend als eine Art virtuelles Haushaltsbuch. In Kürze sollen mit der web-basierenden Anwendung von Kontoblick aber anders als beim Wettbewerb auch Überweisungen möglich werden. Die Umsätze werden beim Import vom System, so weit möglich, bereits automatisch kategorisiert. Der Nutzer kann in Kontoblick überdies eigene Kategorien anlegen, diesen Budgets zuteilen und dann zahlreiche Analyse- und Reportingfunktionen mit grafischer Aufbereitung der Daten nutzen.

Kontoblick.de zeigt aber auch längerfristige Trends auf.
Kontoblick.de zeigt aber auch längerfristige Trends auf.

Kontoblick.de wurde erste Mitte vergangenen Jahres von Cederskog und seinem stärker technisch orientierten Ex-Kommilitonen Philipp Erler gegründet und ist seit November 2008 am Netz. Derzeit hat das bislang praktisch nur über SEM vermarktete Start-up rund 10.000 Nutzer. Die Kontoblick-Anwendung läuft auf Java unter Debian/Gentoo und wird mit Groovy & Grails entwickelt, einer Umsetzung der Web-Entwicklungsplattform Ruby on Rails für Java. Finanzielle Rückendeckung hat die Company von verschiedenen individuellen Geldgebern aus dem Bankensektor sowie hauptsächlich dem European Founders Fund (EFF) der Samwer-Brüder und Holtzbrinck Ventures, dem Wagniskapitalarm der Verlagsgruppe Holtzbrinck.

Als Web-2.0-Anwendung ist Kontoblick.de selbstverständlich "work in progress". Demnächst sollen Nutzer die Möglichkeit erhalten, ihre Ausgaben mit denen anderer Menschen in ihrer Umgebung zu vergleichen (dieser Peer-Vergleich erfolgt anonymisiert, versteht sich) und so zum Beispiel zu erkennen, dass die eigene Wohnung eigentlich viel zu teuer ist oder man seine Lebensmittel anderswo deutlich günstiger einkaufen könnte.

Neben dieser Community/Bewertungsfunktion ist eine sogenannte "Offer Engine" in Arbeit. Über diese möchte Kontoblick.de zukünftig seinen Nutzern günstigere Alternativen beispielsweise zu ihren Versorgungsunternehmen anbieten. Wechselt der Nutzer daraufhin seinen Anbieter, erhielte Kontoblick dafür eine Provision (eine weitere Säule des Geschäftsmodells mithin). Ebenfalls in der Mache ist eine iPhone-App, die insbesondere die schnelle Erfassung von Bartransaktionen erleichtern soll.

Erklärte Zielgruppen von Kontoblick.de sind zum jetzigen Zeitpunkt Studierende, berufstätige Frauen und junge Familien und ganz generell Menschen, die weder Finanz- noch Computerexperten sind und möglichst wenig Zeit für ihre Finanzplanung aufwenden möchten.