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Konjunkturflaute zieht über die irische See

20.08.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Bedingt durch die derzeitige Konjunkturkrise sieht Irlands Wirtschaft nach dem steten Wachstum in den letzten zehn Jahren schlechteren Zeiten entgegen: So will Baltimore Technologies am Mittwoch im Rahmen eines geplanten Restrukturierungsprogramms massive Stellenkürzungen bekannt geben. Der irische Hersteller von PKI-Sicherheitssoftware hatte bereits im Mai 250 seiner insgesamt 1400 Arbeitsplätze gestrichen. Analysten gehen davon aus, dass in der kommenden Entlassungsrunde mindestens ebenso viele Kündigungen ausgesprochen werden. Obwohl Baltimore bei einer derzeitigen Cash-Burn-Rate von über 23 Millionen Euro je Quartal spätestens in neun Monaten das Geld ausgeht, hat das Unternehmen Gerüchte über einen Verkauf zurückgewiesen (Computerwoche online berichtete).

Experten gehen davon aus, dass die Firma zumindest mit einer anderen Sicherheitsanbieter fusionieren muss, um zu überleben.

Die US-Firma General Semiconductor gab am Freitag bekannt, ihre Niederlassung in irischen Macroom nach zwanzig Jahren Betrieb zu schließen. Ein Großteil der Produktion will das Unternehmen in Taiwan und China fortsetzten, die Herstellung anderer Halbleiter sollen Subunternehmer übernehmen. Betroffen sind 670 Mitarbeiter, das sind etwa 13 Prozent aller Mitarbeiter. Außerdem plant das Anfang August mit Konkurrenten Vishay Intertechnology fusionierte Unternehmen (Computerwoche online berichtete), bis Ende des Jahres weitere drei Prozent seiner weltweiten Belegschaft aus Kostengründen zu entlassen. General Semiconductor erhofft sich von diesen Schritten Einsparungen in Höhe von 25 Millionen Dollar jährlich. Insgesamt will die Firma bis Ende des Jahres rund 23 Prozent aller Stellen

streichen.

Bereits am 8. August hatte der PC-Direktanbieter Gateway bekannt gegeben, seine europäischen Produktionsstätten in Großbritannien und Irland zu schließen. Betroffen sind über 900 Beschäftigte der Europazentrale in Nord-Dublin.

Bislang wurden in Irland in diesem Jahr 3500 Jobs gestrichen, hauptsächlich entließen die Niederlassungen von US-Unternehmen. Insgesamt beschäftigen ausländische Technologiefirmen nur rund 50 000 Iren bei einer Gesamtzahl von 1,7 Millionen Werktätigen. Dennoch leisten sie einen überproportionalen Beitrag zu den Exporten und sind ein Aushängeschild für die Wohlstandswelle der letzten Dekade.