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Konferenzsaison: IT-Chefs machen auf Schönwetter

09.09.2004

Im Herbst finden traditionell die jährlichen Technologiekonferenzen der Investment-Häuser an der Wall Street statt: Führende Vertreter der IT-Branche nutzten die Veranstaltungen von Smith Barney und SG Cowen dazu, die düsteren Prognosen von Intel über die weitere Marktenwicklung abzuschwächen und positive Signale zu senden.

Dell-CEO Kevin Rollins proklamierte auf der Analystenkonferenz von Smith Barney in New York, dass die Unternehmen im nächsten Jahr damit fortfahren würden, ihren PC-Bestand zu aktualisieren. Als Begründung verwies Rollins auf die zunehmende Nutzung von Sicherheits- und Antivirensysteme, die deutlich mehr Prozessorleistung erfordern als bislang. Für Dell mache es sich außerdem bezahlt, dass die Komponentenpreise, insbesondere bei LCDs und Speicherchips, weiter absinken. Typischerweise wachse sein Unternehmen umso stärker, je niedriger die Preise für Bauelemente fallen.

Cisco-Chef John Chambers, der ebenfalls auf der Analystenkonferenz von Smith Barney als Sprecher auftrat, zeigte sich überrascht, dass der Markt seine Äußerungen im August falsch verstanden habe. Chambers Anmerkung, die CEOs seien etwas vorsichtiger bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung geworden, hatte der Cisco-Aktie Anfang August einen Kursrückgang um elf Prozent beschert. Die Firmenchefs seien nicht pessimistisch, stellte der Topmanager nun klar, sondern nur weniger optimistisch. Einen Auftragsrückgang habe der Netzwerkriese bislang nicht zu beklagen.

Auch der US-Mobilfunkhersteller Motorola, den Präsident und Chief Operating Officer (COO) Mike Zafirovski auf einer Investorenkonferenz von SG Cowen repräsentierte, zeigte sich über die aktuelle Marktsituation ganz zufrieden. Das Unternehmen erwarte, dass sein größter Geschäftsbereich, das Handy-Geschäft, jährlich um 30 bis 40 Prozent wachse, teilte Zafirovski mit. Den wichtigsten Beitrag hierzu werde der chinesische Markt liefern. Die Preissenkungsstrategie des Branchenprimus Nokia hätte nur geringe Auswirkungen auf Motorola, sagte der Motorola-Manager.

Der Finanzchef von Hewlett-Packard, Bob Wayman, gelobte nach dem enttäuschenden dritten Geschäftsquartal 2003/04 (Ende: 31. Juli) für sein Unternehmen Besserung. Im laufenden vierten Fiskalquartal werde HP zwischen 21 Milliarden und 21,5 Milliarden Dollar umsetzen und einen Pro-forma-Gewinn von 35 bis 39 Cent je Aktie erzielen, prognostizierte Wayman auf der Veranstaltung von SG Cowen in Boston. Gleichzeitig gehe man davon aus, dass der Geschäftsbereich Enterprise Servers and Storage wieder in die Gewinnzone zurückkehrt. Der CFO verwies dabei auf die saisonal höheren Einnahmen und die sinkenden Betriebskosten.

Wegen einer Reihe von Problemen, darunter der Wechsel zu einem neuen System für Auftragsbearbeitung und Lieferkettenverwaltung, seien bei dem Bereich im vergangenen Dreimonatszeitraum Aufträge im Wert von 120 Millionen Dollar liegen geblieben. Dies sei deutlich mehr als erwartet worden war, räumte Wayman ein. "Wir wussten von diesen Problemen, hatten aber widersprüchliche Informationen darüber, ob diese in den Griff gebracht wurden", sagte der Topmanager. Für das kommende Geschäftsjahr 2004/05 (Ende: 31. Oktober 2005) peile sein Unternehmen eine operative Marge von mindestens vier Prozent an, im darauf folgenden Jahr werde der Wert weiter steigern. Dazu sollen zum Teil Kostensenkungen, teilweise aber auch Umsatzsteigerungen durch neue Produkte beitragen, sagte Wayman. (mb)