Keil zwischen IT und Business

Kollegen überschätzen das IT-Budget

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Die mangelnde Wertschätzung der Leistung der IT liegt auch daran, dass viele Business-Manager das Budget des CIOs überschätzen. Das geht aus einer Forrester-Studie hervor.
IT-Budget: Zum Sterben zuviel, zum Leben zu wenig?
IT-Budget: Zum Sterben zuviel, zum Leben zu wenig?
Foto: Oleksiy Mark, Shutterstock.com

Aus CIO-Sicht ist das IT-Budget immer ein irgendwie zu enges Korsett – so weit, so trivial. Aktuell bringen die straff geschnürten Geldpakete die IT-Chefs aber auf ganz besondere Weise in Nöte, wie Forrester Research berichtet. Es ist nicht alleine das krude Dauerproblem, das die Mittel für wünschenswerte Projekte und Initiativen fehlen. Vielmehr treiben falsche Annahmen und Erwartungen über das IT-Budget offenbar einen Keil zwischen den CIO einerseits und Business und IT-Mitarbeiter andererseits.

„Business-Entscheider schätzen das Budget für IT-Betrieb und –Investitionen fast viermal so hoch ein wie CIOs“, schreibt Forrester-Analyst Peter Burris in einer aktuellen Studie. „Fast die Hälfte geht davon aus, dass die IT dem geschäftlichen Erfolg keinen Schub mitgibt.“ Zwei Drittel der CIOs gehen naheliegenderweise vom Gegenteil aus, so dass das Dilemma offensichtlich wird: IT-Chefs stehen vor der Herausforderung, beharrlich auf harte Budget-Realitäten hinzuweisen, ohne dass das nach billigen Ausreden für unerfüllte Aufgaben klingt.

Nach Forrester-Einschätzung haben die CIOs sogar an zwei Fronten zu kämpfen. Sie leiden unter den falschen – nämlich überhöhten – Budget-Erwartungen von Managern und ihren Mitarbeitern. Forrester macht eine wachsende Kluft zwischen IT-Chefs und ihren Mitarbeitern aus. Diese spüren offenbar die Unzufriedenheit von Business-Seite mit der IT. Und zweifeln sehr viel mehr als ihre Chefs daran, ob die IT wirklich genügend zum Geschäftserfolg beiträgt.

Die Übersicht zeigt, wie weit die IT-Budget-Wahrnehmungen im Unternehmen auseinanderliegen. Angegeben sind Schätzungen in US-Dollar.
Die Übersicht zeigt, wie weit die IT-Budget-Wahrnehmungen im Unternehmen auseinanderliegen. Angegeben sind Schätzungen in US-Dollar.
Foto: Forrester Research

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Die IT-Mitarbeiter machen sich laut Studie deshalb auch Sorgen darüber, inwieweit ihre Fertigkeiten und Kenntnisse für die erstrebte Karriere ausreichend sind. Der CIO ist auch auf dieser Baustelle gefragt, zumal sich – wegen des engen Budgets – die IT-Spezialisten logischerweise nicht einfach mit mehr Geld ruhig stellen lassen. „Weiche Anreize wie die Entwicklung von Skills bleiben essenziell, um hervorragende IT-Profis zu angeln und im Unternehmen zu halten“, so Burris.

Mit den Schlagworten technologischer Wandel, geschäftliche Evolution und Entwicklung von Alternativen zur traditionellen IT umreißt Forrester die gewaltigen Aufgaben, die momentan anstehen. Meistern müssen sie die CIOs mit einem Budget, das in diesem Jahr laut Prognose der Analysten weltweit lediglich um durchschnittlich 2 Prozent ansteigen wird. Im kriselnden Europa ist das Plus sogar noch geringer. Nur 9 Prozent von CIOs rechnen hier mit einem Budget-Anstieg von mehr als 7 Prozent. Insgesamt befragte Forrester 4000 IT-Entscheider weltweit.

Insbesondere die Verlagerung von IT-Aktivitäten in die Cloud führt zu Verschiebungen im Ausgabenplan. Die jährlichen Ausgaben für klassische Software sinken tendenziell. Dafür müssen Gelder aus dem IT-Consulting und Outsourcing-Bereich für Cloud-Optionen freigeschaufelt werden.

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