Plus schlankere Struktur

Kodak startet neue Patentklagen gegen Apple und HTC

11.01.2012
Der ums Überleben kämpfende Fotopionier Kodak nimmt Apple und den Smartphone-Hersteller HTC mit neuen Patentklagen ins Visier.

Kodak wirft Apple die Verletzung von vier und HTC von fünf Patenten vor, wie aus Gerichtsdokumenten vom Dienstag hervorgeht. Bei den Patenten geht es um Verfahren zur Übertragung von Digitalbildern.

Kodak versucht derzeit eigentlich, ein Paket aus rund 1100 Patenten zu verkaufen, um sich dringend benötigtes frisches Geld zu besorgen. Laut Medienberichten droht eine Insolvenz innerhalb weniger Wochen, wenn dies nicht gelingen sollte. Kodak selbst bestätigt dies nicht, warnte aber im Herbst, dass ohne neue Mittel binnen zwölf Monaten das Aus kommen könnte.

Das waren noch gute Kodak-Zeiten: Eine Instamatic 104, lang ist's her.
Das waren noch gute Kodak-Zeiten: Eine Instamatic 104, lang ist's her.
Foto: Joost J. Bakker (CC BY 2.0)

Kodak hatte einst die traditionelle Fotografie entscheidend geprägt. Das mehr als 130 Jahre alte Unternehmen war auch an den Anfängen der digitalen Fotografie beteiligt und hält deswegen auch dort diverse grundlegende Patente und kann HTC und den iPhone-Hersteller angreifen. Allerdings verlor Kodak in dem Bereich seinerzeit schnell den Anschluss an die Konkurrenz und kommt mit dem Wandel zur Digitalfotografie bis heute nicht zurecht.

In den vergangenen Jahren waren die Patent-Lizenzeinnahmen immer wieder eine wichtige Geldquelle für den mit hohen Kosten kämpfenden Konzern gewesen. Schließlich plädierte das Management jedoch für einen Verkauf, weil es das Potenzial für weitere Lizenzierungsdeals erschöpft sah. Auch in der Vergangenheit griff Kodak schon zu Patentklagen. Unter anderem läuft bereits ein von Kodak angestrengtes Verfahren gegen Apple vor der US-Handelskommission ITC, das aber bisher nicht weit kam.

Schlankheitskur

Kodak greift zu einem radikalen Konzernumbau. Die gesamten Aktivitäten werden in zwei Bereiche aufgeteilt: Geschäftskunden und Verbraucher. Mit der neuen Struktur werde Kodak effizienter und günstiger arbeiten können und mehr aus seinem Technologie-Potenzial machen, versprach Konzernchef Antonio Perez am Dienstag. Die zuletzt schwer unter Druck geratene Aktie schoss im New Yorker Handel nach oben.

Die Kodak-Struktur war bisher von der langen Geschichte des Fotopioniers geprägt. Eine Sparte verwaltete das schrumpfende Geschäft mit traditionellen Fotoprodukten wie Filme und klassischer Fotodruck. Das war einst die tragende Säule von Kodak, doch mit dem Wandel zur digitalen Fotografie brach sie fast komplett weg. Damit kam Kodak trotz jahrelanger Wandelversuche nicht zurecht.

Immerhin: Mit seinen neuen Inkjet-Druckern ist Kodak ganz gut im Consumer-Geschäft.
Immerhin: Mit seinen neuen Inkjet-Druckern ist Kodak ganz gut im Consumer-Geschäft.
Foto: Kodak

Die zwei weiteren bisherigen Bereiche sollten eine Schlüsselrolle beim Neuanfang spielen: Eine Sparte für digitale Druck-Dienstleistungen im professionellen Markt und die andere mit einem Rundum-Angebot für Verbraucher. Sie sollen jetzt in den beiden großen Unternehmensteilen aufgehen.

Kodak droht bereits der Rauswurf von der New Yorker Börse. Grund ist, dass der Kurs als Folge der finanziellen Probleme dauerhaft unter einem Dollar festhängt. Der Börsenbetreiber NYSE duldet derartige "Penny Stocks" nur für begrenzte Zeit. Kodak hat jetzt noch knapp sechs Monate Zeit, den Kurs wieder über die Ein-Dollar-Marke zu bringen.

Apple und HTC sind ihrerseits in einen erbitterten Patentstreit verwickelt. Der deutsche Patentexperte Florian Müller, der die Konflikte in der Branche verfolgt, erwartet allerdings, dass sie in diesem Fall zusammenarbeiten könnten, um die Kodak-Klage abzuwehren. (dpa/tc)