Kodak druckt mit billiger Tinte

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Was der "Easy Share 5300" mit auffallend günstigen Patronen leistet, fand die COMPUTERWOCHE im Test heraus. Zwar liefert er gute Druckergebnisse, ist jedoch unruhig im Betrieb.

Von jetzt an wird sich der Markt der Inkjet-Drucker verändern", verkündete Kodak-CEO Antonio Perez zur Premiere der Druckerfamilie Easy Share All-in-One (AiO). Jahrelang habe der hohe Preis für Tintenpatronen die Verbraucher davon abgehalten, ihre Drucker häufiger zu nutzen. Das soll sich mit den neuen Druckermodellen und günstigen Tintenpreisen ändern. Um bis zu 50 Prozent sollen die Druckkosten mit den Kodak-Tinten sinken. "Unser Preismodell wird das Homeprinting revolutionieren", zeigte sich Perez zuversichtlich.

Kommentar: Tinten fast so teuer wie flüssiges Gold

Das Geschäft mit Verbrauchsmaterialien ist ein Milliardenmarkt. Allein Hewlett-Packard hat im zurückliegenden Geschäftsjahr in diesem Segment 16 Milliarden Dollar eingenommen. Das Geschäft funktioniert nach dem "Gillette-Prinzip": Dabei verkaufen die Hersteller ihre Geräte für wenig Geld und nehmen geringe Profitmargen in Kauf. Dafür kassieren sie im Nachhinein bei den Tinten und anderen Verbrauchsmaterialien wie beispielsweise Spezialpapier ab. Dieses Geschäft wollen sich die Drucker-barone nicht vermiesen lassen. Mit Hilfe technischer Tricks und von Rechtsanwälten gehen die Hersteller gegen Anbieter von Ersatztinten und Refill-Anbieter vor.

Kodak könnte mit seiner Strategie der Billigtinten die Karten im Druckergeschäft neu mischen. Ob sich die etablierten Anbieter allerdings so leicht die Butter vom Brot nehmen lassen, ist zweifelhaft. So kommt eine von Epson in Auftrag gegebene Studie des TÜV Rheinland zu dem Ergebnis, dass durch verfrühte "Leer"-Anzeigen ein Großteil der in den Patronen enthaltenen Tinte verschwendet wird. Am besten schnitt wen verwundert es Epson mit einer Rate von 20 Prozent ab. Als größter Verschwender mit einer Vergeudung von über 60 Prozent wurde Kodak gebrandmarkt. Allerdings haben die Prüfer, wie sie selbst einräumten, nicht die Druckkosten untersucht. Wie erste Tests gezeigt haben, lässt Kodak unter diesem Aspekt jedenfalls die Konkurrenz weit hinter sich.

Einen Videobeitrag finden Sie auf http://www.computerwoche.de/tv unter dem Titel "Kodak punktet mit Billigtinten".

Kodak EasyShare 5300

All-in-one-Gerät: Drucken, kopieren, scannen;

Druck-Engine: Farb-Tintenstrahldrucker mit pigmentierter Tinte;

Scanner: Flachbett CCD (bis maximal DIN A4);

Duplex-Einheit: optional

Verbindungen: USB zum PC; 2 x USB für Peripherie;

Tintenpatrone: 1 x schwarz, 1 x Kombi (cyan, magenta, gelb, schwarz, farblos)

Bedienung: Drei-Zoll-Display;

Speicherkarten: Compact Flash, Microdrive, Secure Digital, Multimedia Card, xD-Picture-Card;

Papierfächer: 100 Blatt Normalpapier (9 x 13 Zentimeter bis 20 x 36 Zentimeter), 20 Fotopapiere (10 x 15 Zentimeter);

Ausgabe: 50 Blatt Papier;

Druckgeschwindigkeit: 32 Seiten/min (schwarz-weiß), 30 Seiten/min (Farbdruck), 28 Sekunden pro Foto (10 x 15 Zentimeter);

Gerätepreis: 199 Euro;

Tintenpreise: 9,99 Euro (schwarz), 14,99 (Farbe), 22,99 (Kombipaket).

Vor- und Nachteile:

+ Gute Druckqualität;

+ einfache Bedienung;

+ günstige Tintenpreise.

- Unruhiger Betrieb;

- fehlendes USB-Kabel;

- vergleichsweise hoher Gerätepreis.

Kodak gab erst vor wenigen Monaten mit drei Modellen aus der Easy Share 5000er-Serie sein Druckerdebüt. Alle drei Geräte verwenden die gleiche Drucker-Engine. Während das Basismodell "5100" und das Midrange-Gerät "5300" drucken, scannen und kopieren können, bietet das High-end-Modell "5500" zusätzlich eine Faxfunktion sowie eine Duplex-Einheit für beidseitigen Druck. Die einheitlichen Tintentanks passen in jedes Gerät. Kodak verlangt für eine Schwarz-Patrone 9,99 Euro. Die Farbpatrone mit fünf Tintentanks kommt auf 14,99 Euro. Ein Kombipaket aus Schwarz- plus Farbtinte kostet 22,99 Euro. Damit unterbietet der Newcomer im Druckergeschäft die Preise der Konkurrenz deutlich.

In Deutschland sind bislang nur die Modelle 5300 und 5500 für 199 Euro beziehungsweise 299 Euro erhältlich. In Praxistests haben die computerwoche sowie deren US-amerikanische Schwesterpublikation "Computerworld" den Easy Share 5300 genauer unter die Lupe genommen.

Installation mit Hindernissen

Beim Auspacken fällt zunächst auf, dass Kodak dem Drucker kein Handbuch und kein USB-Anschlusskabel für die Ver-bindung zum PC beilegt. Das Handbuch müssen sich die Kunden von der Homepage des Herstellers herunterladen. Es empfiehlt sich außerdem, das USB-Kabel im Internet-Versand zu ordern. Dieses bekommt man dort bereits für etwa fünf Euro. Kodak verlangt dagegen 24,99 Euro für ein entsprechendes Kabel.

Ansonsten verläuft die Installation des All-in-one-Geräts reibungslos und weitgehend selbsterklärend. Nach dem Einspielen der Treiber und der Software erkennt der Rechner automatisch den am USB-Port angeschlossenen Drucker.

Aufgeräumtes Tastenfeld

Bedienen lässt sich der Kodak-Drucker über ein aufgeräumtes Tastenfeld auf der rechten Oberseite. Ein drei Zoll großes, herausklappbares Display zeigt zudem die verschiedenen Einstellmenüs an zum Beispiel Skalierung, Druck- beziehungsweise Scan-Qualität und bietet eine Vorschau sowie einfache Bearbeitungsfunktionen für Bilddaten. Damit lassen sich Fotos ohne Umweg über den PC direkt von Speicherkarten beziehungsweise Digitalkameras aus drucken. Vorne am Gerät hat der Hersteller zwei USB-Anschlüsse integriert, an denen sich beispielsweise Digitalkameras, mobile Datenspeicher beziehungsweise Bluetooth-Funkadapter anschließen lassen. Praktisch: Mit den beiden Anschlüssen die meisten Hersteller spendieren ihren Geräten nur einen USB-Anschluss muss nicht laufend umgesteckt werden, wenn ein Port ständig mit einem Funkadapter belegt ist. Außerdem können Bilddaten über zwei entsprechende Slots direkt von Speicherkarten ausgelesen werden.

Der Easy Share 5300 ist im Großen und Ganzen gut verarbeitet, lediglich die ausfahrbare Halterung für das Papierausgabefach macht einen etwas klapprigen Eindruck. Der Drucker bietet zwei Papierspeicher: einmal für 100 Blatt Normalpapier und ein Fach für Fotopapier (zehn mal 15 Zentimeter), das 20 Blatt fasst.

Vibrationen

Im Betrieb läuft Kodaks All-in-one-Gerät nicht ganz vibrationsfrei. Es empfiehlt sich deshalb, den Drucker nicht direkt auf dem Schreibtisch zu positionieren, auch weil der 5300 mit seinen Maßen von 43 mal 38 mal 22 Zentimetern nicht zu den kompaktesten Modellen seiner Art gehört. Seine Druckjobs erledigt das Gerät zügig, allerdings findet man durchaus schnellere Drucker im Markt.

Die Ausdrucke, sowohl Texte wie Bilder, glänzen mit einer guten Qualität. Das Schriftbild ist deutlich und weist nur geringe Ausfransungen auf. Bilder gibt der Drucker farbgetreu mit sattem Kontrast wieder. Das gilt nicht nur für die höchste Qualitätsstufe, sondern auch für den normalen Fotomodus. Allerdings hängt die Qualität stark vom verwendeten Papier ab. Kodak selbst bietet drei Arten Fotopapiere mit unterschiedlichen Qualitäten und Preisen an. Man sollte ruhig ein wenig mit verschiedenen Produkten auch anderer Anbieter experimentieren, um das individuell passende Preis-Leistungs-Verhältnis herauszufinden. Der Hersteller verspricht eine anhaltende Qualität seiner Fotodrucke. Neben den drei Farben Cyan, Magenta und Gelb enthält die Farbkartusche eine separate Schwarz-Patrone sowie einen farblosen Lack, der die Oberfläche der Fotoausdrucke versiegelt und damit vor einem schnellen Ausbleichen schützt.

Günstige Druckkosten

Punkten wollen die Kodak-Verantwortlichen in erster Linie mit niedrigen Druckkosten. Der Hersteller wirbt mit zwei Cent für Schwarzweiß-Ausdrucke, fünf Cent für Farbdokumente und zehn Cent für Fotodrucke im Format zehn mal 15 Zentimeter. Die Kosten der Konkurrenz liegen mit durchschnittlich sechs Cent (schwarz-weiß), zwölf Cent (Farbdruck) und 25 Cent (Foto) deutlich darüber, behauptet der Hersteller.

Erste Tests bestätigen die deutlichen Preisdifferenzen. Die CW-Schwesterpublikation "Computerworld" hat den Kodak 5300 mit dem All-in-one-Gerät "C5180" von Hewlett-Packard (HP) ver-glichen. Dabei ermittelten die Tester einen Seitenpreis (Schwarz-weiß) von drei US-Cent für den Kodakdrucker. Das HP-Gerät kam in der gleichen Kategorie auf sechs US-Cent je Seite. Noch deutlicher fiel der Unterschied bei den Fotodrucken aus: Hier entschied der 5300 mit sieben zu 24 US-Cent pro Ausdruck (zehn mal 15 Zentimeter) das Rennen für sich. Damit amortisieren sich die Mehrkosten, die durch den höheren Gerätepreis entstehen, schon nach kurzer Zeit.

Fazit

Der Kodak 5300 als Arbeits-platzgerät empfiehlt sich vor allem durch seine günstigen Druck-kosten. Zwar eignet sich das All-in-one-Modell nicht für große Druckaufkommen, bietet aber im Alltagseinsatz als Drucker, Scanner und Kopierer eine gute Qualität und einfache Hand-habung. Alles in allem ist Kodak mit dem 5300 ein beachtenswertes Debut im Druckermarkt gelungen.