E-Procurement

Kluge Beschaffung spart Geld

05.05.2009 | von Frank Niemann
Erfolgreiche Unternehmen verbessern gemeinsam mit ihren Lieferanten Logistikprozesse, meint Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE.

Unternehmen können durch automatisierte Einkaufsprozesse Geld sparen. Das gilt nicht nur für Büroklammern und Papier. Kosten senken können Firmen nicht mehr nur durch elektronische Produktkataloge und geschicktes Verhandeln der Einkaufsabteilung. Wer mehr zum Thema Beschaffung, Materialwirtschaft und Logistik wissen: Vom 6. bis 7. Mai findet die Fachmesse "E-Procure" in Nürnberg statt.

CW: Nutzen Unternehmen bereits ausreichend die Möglichkeiten, um ihren Einkauf zu automatisieren?

Für viele Betriebe zählen elektronische Kataloge zum Alltag, egal ob beim Mittelständler oder beim Global Player, meint Dr. Holger Hildebrandt, BME-Hauptgeschäftsführer.
Für viele Betriebe zählen elektronische Kataloge zum Alltag, egal ob beim Mittelständler oder beim Global Player, meint Dr. Holger Hildebrandt, BME-Hauptgeschäftsführer.

Hildebrandt: Deutsche Firmen nehmen beim Einsatz von Internet-basierenden Tools für die elektronische Beschaffung im länderübergreifenden Vergleich eine Spitzenposition ein. Dadurch lassen sich zwischen 15 und 35 Prozent an Prozesskosten einsparen, bei den Einstandspreisen im Schnitt zwischen sieben und 15 Prozent. Die Zahlen stammen aus dem letzten "BME-Stimmungsbarometer Elektronische Beschaffung". Für viele Betriebe zählen elektronische Kataloge zum Alltag, egal ob beim Mittelständler oder beim Global Player. 69 Prozent setzen E-Kataloge in der Praxis ein, 21 Prozent befinden sind in der Plan- und Einführungsphase. 80 Prozent der "Global Player" sind bereits seit mehreren Jahren dabei, 54 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen haben bereits längere Erfahrung mit den Werkzeugen.

CW: Welche Rolle spielen neben der rein operativen Beschaffung Methoden zur Lieferantenbewertung und zur optimierten Lagerhaltung?

Hildebrandt: In Unternehmen aller Größen und Branchen ist das Innovationspotenzial entscheidend, um erfolgreich im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Enorm an Bedeutung gewonnen hat der Beitrag von Lieferanten zur Innovationsfähigkeit des Unternehmens. Dem Einkauf als "Ohr zum Markt" kommt die Aufgabe zu, Innovationspotenziale der Lieferanten zu eruieren und mit den eigenen Fachstellen umzusetzen. Chancen zur Kostensenkung liegen nicht mehr allein im Verhandlungsgeschick des Einkäufers, sondern darin, bereits in der Produktentwicklung die Materialkosten zu beeinflussen, im Team mit den Lieferanten die Logistikprozesse zu verbessern und gemeinsame Kostenreduzierungsprojekte aufzulegen. Ähnliches gilt für Qualitätsverbesserung von zugelieferten Produkten und Materialien. Erfolgreichen Unternehmen gelingt es, Innovationen auf den Beschaffungsmärkten frühzeitig zu erkennen und in die eigenen Produkte zu integrieren.

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CW: Ist der Umweltgedanke bei der Beschaffung relevant?

Hildebrandt: Firmen können bei "Green Procurement" noch erhebliche Einsparpotenziale heben - beispielsweise beim Einkauf von Geschäftsreisen. Inzwischen übersteigt die jährliche Zahl der Geschäftsreisen deutscher Unternehmen die 150 Millionen-Marke. Die Firmen geben für Geschäftsreisen knapp 50 Milliarden Euro pro Jahr aus. Fakt ist: Travel-Manager müssen den steigenden Umweltschutzanforderungen Rechnung tragen und gleichzeitig die Mobilität in den Unternehmen sicherstellen. In der Praxis stellt sich häufig heraus, dass viele Geschäfts-Meetings unnötig sind. Oft könnten sie durch Telefon- und Videokonferenzen ersetzt werden. Unternehmen können nach Einschätzung der BME-Fachgruppe "Travel Management" bis zu 20 Prozent aller Geschäftsreisen durch technische Hilfsmittel kompensieren.

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