SOA bei der Deutschen Bank

Klotzen statt Kleckern

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Für den Einstieg in die Service-orientierte Architektur (SOA) wählte die Deutsche Bank einen Kernprozess im Privatkundengeschäft aus. Die Ergebnisse überzeugten das Management.

Die Devise "Start small" passte noch nie so recht zum größten deutschen Geldinstitut. Dass gilt auch für die IT. Obwohl SOA-Protagonisten gebetsmühlenhaft empfehlen, mit kleinen Pilotprojekten in das Thema einzusteigen, nahmen sich die Frankfurter Banker gleich zu Beginn einen dicken Brocken vor: "Mit dem Neukundenprozess adressieren wir einen der Kernprozesse im Privatkundengeschäft, der sich durch eine besondere fachliche und technische Komplexität auszeichnet", erläutert Christian Schmidt, Leiter der Abteilung Cross Business Services in der IT-Organisation des Konzerns.

Ursprünglich ging die SOA-Initiative von der IT aus. Im Jahr 2005 entschieden die Verantwortlichen, sich grundsätzlich mit dem Konzept zu beschäftigen. Dabei stand weniger die idealtypische IT-Architektur im Vordergrund, sondern die Frage, ob SOA der Bank einen wirtschaftlichen Nutzen bringen kann (siehe auch: Wie sich SOA in der Praxis rechnet). Die Antwort war ein klares Ja, so Schmidt. Ausschlaggebend für das weitere Vorgehen sei gewesen, die Vorteile anhand eines konkreten Geschäftsprozesses deutlich zu machen. Daraus entstand das Projekt Orinoco mit dem Ziel, die Geschäftsprozesse für das Anlegen von Neukunden so zu standardisieren, dass eine Automatisierung mittels Workflow und wiederverwendbarer Services möglich wurde. Schmidt: "Mit Orinoco wollten wir zeigen, dass die IT in der Lage ist, die immer volatileren Business-Anforderungen optimal zu erfüllen." Welche Dimension das Vorhaben hatte, belegt die personelle Ausstattung. Rund 45 Mitarbeiter stellte die Deutsche Bank dafür ab, die Hälfte davon stammte nicht aus der IT, sondern aus Fachabteilungen. Zum finanziellen Rahmen möchten die Verantwortlichen keine Angaben machen.

Projekt-Steckbrief

  • Branche: Finanzdienstleister.

  • Projektkategorie: SOA.

  • Kernprodukte: Tibco.

  • Aufwand: 45 Projektmitarbeiter aus IT- und Fachabteilungen.

  • Herausforderungen: komplexer Prozess, technisch komplexe Servicedefinition und -implementierung, Standardisierung von Geschäftsprozessen und Services.

  • Ergebnisse: Standardisierung und Automatisierung von Geschäftsprozessen, kürzere Verarbeitungszeiten im Neukundenprozess, Geringere Time to Market durch wiederverwendbare Services und Prozesse.

  • Zeitrahmen: Mitte 2006 bis August 2008.

  • Involvierte Anbieter/Dienstleister: keine Angaben.