Klimatische Störungen - und die Folgen

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die einen arbeiten systematisch an ihrem Betriebsklima, andere eher unorganisiert und wieder andere überhaupt nicht. Wer nach schwierigen Zeiten, in denen Personal entlassen wurde, die Stimmung verbessern möchte, hat nur eine Chance, wenn er die Mitarbeiter ins Boot bekommt.

Die Stimmung in vielen Unternehmen ist nach Umstrukturierungen, Personalabbau oder Firmenzusammenführungen oft am Boden. Statistisch denken heute 60 Prozent der Mitarbeiter daran zu kündigen. Sie bleiben nur in ihrem Unternehmen, weil ihnen der Arbeitsmarkt wenig Alternativen bietet. Das ergab eine aktuelle Untersuchung von CSC Ploenzke.

Berater und Wissenschaftler beobachten, dass die Firmenleitungen oft schon bei Entlassungen oder Umstrukturierungen "verbrannte Erde" hinterlassen, wie es der Münchner Psychologieprofessor Dieter Frey formuliert. Dieser Prozess, so der Wissenschaftler, laufe aus Sicht der Mitarbeiter ganz selten fair. Deshalb sei es wichtig, "durch profesionelle Information und Kommunikation zu erläutern, warum gekündigt wurde, dass dies unausweichlich und notwendig und unvermeidlich war". In diesem Zusammenhang zitiert Frey Nietzsche: "Menschen sind bereit, nahezu alles zu ertragen, wenn sie wissen, warum."

Susanne Rausch, Act Value Management Consulting
Susanne Rausch, Act Value Management Consulting

Auch Susanne Rausch von der Berliner Unternehmensberatung Act Value Management Consulting warnt davor, den Entlassungsprozess "unprofessionell und unsensibel" abzuwickeln: "Die Fehler, die dort gemacht werden, holen das Management später wieder ein." Es muss sich im Klaren sein, dass es nicht erwarten kann, dass die Mitarbeiter nach einer Entlassungswelle zur Tagesordnung übergehen und alles so sein wird, als wäre nichts geschehen. "Leider machen in so einer Situation viele Vorgesetzte in Unternehmen genau das Falsche: Sie ignorieren die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter, ziehen sich zurück und setzen darauf, dass die Zeit alle Wunden heilt", kritisiert Rausch.

Auf Hewlett-Packard trifft das nicht zu, wenn man Norbert Gelse Glauben schenken darf. Er war als Kommunikationschef an der Umgestaltung stark beteiligt. Der Computerkonzern nimmt für sich in Anspruch, den Umstrukturierungsprozess, also den Kauf von Compaq inklusive des Mitarbeiterabbaus, offensiv angegangen zu sein und auch mit einer Reihe von Personal- und Kommunikationsinstrumenten begleitet zu haben. Zunächst formulierte die Konzernzentrale in den USA die großen Ziele und Visionen. Auch heute noch ist es so, dass sich die Firmenchefin Carleton Fiorina einmal im Quartal in einem "All Employee Coffee Talk" an die Mitarbeiter wendet und "ein Update zu Strategie und Vision des Unternehmens abgibt", so Gelse.

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