Klick für Klick die Karriere planen

23.02.2004
Von Gabriele Müller
Information und Beratung stehen hier ganz oben: Das Kompetenzzentrum IT-Bildungsnetzwerke (Kibnet), ein gemeinsames Projekt des Branchenverbands Bitkom und der Gewerkschaft IG Metall, hat sich die Vernetzung der Akteure in der IT-Aus- und Weiterbildung zum Ziel gesetzt. Gerade an den Start gegangen ist das jüngste Projekt: "Karriereplanung online".

In wenigen Wochen steht für Andrea Tillmann die IHK-Prüfung als IT-Systemkauffrau an. Das wird für die 21-Jährige, die ihre Ausbildung bei dem Kölner Systemintegrator NK Networks & Services absolviert, nicht nur ein Abschluss ihrer dreijährigen Ausbildungszeit sein. Sie überlegt, wie es für sie beruflich weitergehen kann. Soll sie ein Studium beginnen oder sich lieber im Unternehmen auf bestimmte Arbeitsgebiete weiter spezialisieren?

Mit ihrer Ausbildung an der Schnittstelle von Wirtschaft und Technik hat Tillmann aus beiden Bereichen Wissen erworben. Jetzt steht für die junge Frau fest: "Ich möchte mich am liebsten technisch noch weiter qualifizieren. Mich reizt Support oder Netzplanung", sagt sie selbstbewusst. Dazu bietet ihr das Ausbildungsunternehmen, ein mittelständischer IT-Dienstleister rund um Netzwerke, gute Chancen.

Also doch eine betriebliche Karriere? Welche Möglichkeiten hat sie? Um diese Fragen zu beantworten, muss Tillmann jetzt nicht mehr lange fahnden. Auf www.kib-net.de, der Website des Kompetenzzentrums IT-Bildungsnetzwerke (Kibnet), wird seit kurzer Zeit für IT-Fachkräfte und Quereinsteiger eine Karriereplanung online angeboten. Diese nimmt den Nutzern einen großen Teil der mühsamen und aufwändigen Recherche ab und leitet sie zielgerichtet, schnell und einfach.

Transparentere Fortbildung

"Junge Leute sind für uns nicht die einzige wichtige Zielgruppe", sagt Stephan Pfisterer, Projektleiter Kibnet in Berlin. "Wir versuchen, alle Interessierten über die IT-Aus- und Weiterbildung zu informieren." Aber dieses Thema ist eben auch komplex - und nicht nur für Berufsanfänger oder Young Professionals, sondern auch für Personalprofis oder Bildungsberater. "Der Wissensbedarf ist deshalb so groß, weil die dynamische technische Entwicklung immer wieder neue Anforderungen an das Wissen und die Qualifikation der Beschäftigten stellt", so Pfisterer.

Den Dschungel von Berufsbildern und Bezeichnungen zu lichten, dazu hat zuerst die Neuordnung der IT-Ausbildungsberufe beigetragen. Nun will auch das neue System der IT-Weiterbildung für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit sorgen. Doch trotzdem bleibt das Thema Qualifizierung komplex. Neben dem großen Interesse gibt es auch offene Fragen auf allen Seiten.

Werkzeug für Personalentwickler

"Wir haben uns bemüht, so viele wie nur möglich davon zu beantworten", versichert Thoralf Freitag, Projekt-Manager bei Kibnet. Denn die web-basierende Rich-Internet-Anwendung, die auch Andrea Tillmann hilft, hält mehr bereit als nur interessante Hinweise zur Karriereplanung für Auszubildende. Ob Personalentwickler, Bildungsverantwortliche, Geschäftsführer von kleinen und mittelständischen Betrieben oder Quereinsteiger in die IT - die Applikation will für alle Anforderungen Lösungen bieten. "Dazu ist es notwendig, dass sich der Nutzer zu Beginn für eine Position oder Rolle entscheidet", erklärt Freitag.

Der Anwender hat die Wahl: Ist er IT-Fachkraft oder Quereinsteiger, dann kann er sich gemäß dem neuen Weiterbildungssystem nun für drei verschiedene Abschlüsse oder Karrierestufen entscheiden. Will er Spezialist, operativer Professional oder strategischer Pro-fessional werden? Dann stellt sich die nächste Frage: Geht es um eine Qualifizierung zu einem bestimmten Profil unabhängig von der derzeitigen Tätigkeit? Dann ist es mit der elektronischen Karriereplanung möglich, die bisherigen Kenntnisse mit den Anforderungen des Wunschprofils abzugleichen. Bei dem von Andrea Tillmann gewünschten Profil "Net-work Developer" gibt es zum Beispiel keine Übereinstimmung zu den bisherigen Tätigkeiten - die Auswertung listet dann auf, welche Arbeitsprozesse im Rahmen der Weiterbildung neu zu durchlaufen wären.

Geht es doch eher um eine Weiterbildung, die auf der bisherigen Tätigkeit aufbaut, dann steht am Ende ein Zertifikat, das die gemachten Erfahrungen abrundet und nachweist. Für beide Fälle leitet das Web-Werkzeug den Anwender gemäß seiner Entscheidung. "Dazu ist es im ersten Schritt notwendig, die eigenen Arbeitsprozesse zu definieren", erklärt Freitag. "Aber keine Angst, das System gibt eine Aus-wahl vor, die individuell ergänzt werden kann." Danach kann man Arbeitsfelder wie "Hardware", "Software" oder "Produkt- und Kundenbetreuung" sowie Bereiche wie etwa "Unternehmensanwendungen", "Datenbanken" oder "Softwarebausteine" wählen.

Die Entscheidung für "Multimediasysteme" bringt den Nutzer zum Feld "Tätigkeiten", wo die Auswahl zwischen "Einführen", "Planen", "Entwickeln", "Betreiben" oder "Ausführen" und eine eigene Eingabe möglich ist. Noch einmal hat er die Wahl: Geht es um Implementieren, Integrieren oder Testen? Schließlich ergibt die Gesamtauswertung, dass zu den eingegebenen Wünschen am ehesten das Spezialistenprofil "Multimedia-Developer" passt.

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