Symantec-Updates

Kleiner Fehler, großes Chaos

Alexander Freimark wechselte 2009 von der Redaktion der Computerwoche in die Freiberuflichkeit. Er schreibt für Medien und Unternehmen, sein Auftragsschwerpunkt liegt im Corporate Publishing. Dabei stehen technologische Innovationen im Fokus, aber auch der Wandel von Organisationen, Märkten und Menschen.
Das kann in den besten Familien vorkommen: Sicherheits-Tools von Symantec blockierten ein hauseigenes Update, weil es unsicher erschien. Danach ging der Ärger richtig los.

Ein fehlerhaftes Diagnoseprogramm von Symantec hat Anfang der Woche einige Anwender von Norton-Programmen (aus dem Hause Symantec) verunsichert. In der Nacht zum Dienstag erhielten Nutzer von Norton Internet Security und Norton Antivirus 2006 beziehungsweise 2007 Fehlermeldungen, als ein Software-Update versuchte, die Datei PIFTS.exe vom Server zu laden. Symantec hatte den Patch nicht signiert, weshalb die hauseigenen Sicherheitsprogramme den automatischen Download verweigerten. Symantec verwies darauf, dass der Fehler von einem Mitarbeiter begangen worden war.

Da das Update nur für drei Stunden scharf geschaltet war, hielt sich die Zahl der betroffenen Nutzer in Grenzen. Bei PIFTS (Product Information Framework Troubleshooter) handelt es sich um ein Diagnoseprogramm, mit dem Symantec angeblich anonym die verwendeten Betriebssysteme und Produktversionen seiner Kunden abfragt. Eine Gefahr soll von der unsignierten Software nicht ausgegangen sein, so das Unternehmen.

Danach setzten die wahren Probleme ein. Am frühen Abend stellte der Konzern fest, dass die Norton-Foren mit leeren Nachrichten geflutet worden waren, die den Dateinamen PIFTS sowie sinnlose Aussagen im Betreff hatten. Innerhalb von drei Stunden sammelten sich 600 Posts an. Symantec unterstellte, dass die Nachrichten von Spammern kamen, und löschte sie.

Daraufhin sprang das SANS Internet Storm Center auf den "Fall" an. Die Löschung von Foreneinträgen bei Symantec zu einem kryptischen Dateinamen ließ die Experten darauf "bizarre" Vorgänge im Konzern schließen. Slashdot griff das Thema auf: "Norton Users Worried By PIFTS.exe, Stonewalling By Symantec," lautete ein Eintrag. Verschwörungstheorien wurden geäußert.

Krönender Abschluss des Vorgangs waren Bestrebungen von Hackern, von der Misere zu profitieren. Nach Aussagen eines Sicherheitsexperten von Sophos waren Dienstag Mittag drei der ersten fünf Google-Suchergebnisse nach "PIFTS.exe" manipuliert worden, um ahnungslose Surfer auf schädliche Websites zu locken und ihnen falsche Sicherheitsprogramme unterzuschieben. Die Seiten hielten sich in den Google-Ergebnissen bis in den späten Nachmittag.