SAP-Deutschlandchef

Kleinemeier zweifelt an "Deutschland-Cloud"

13.02.2012
SAP-Deutschlandchef Michael Kleinemeier steht Initiativen für ein rein deutsches Cloud-Angebot skeptisch gegenüber.
Michael Kleinemeier, Regional President DACH, SAP AG
Michael Kleinemeier, Regional President DACH, SAP AG
Foto: SAP

Zwar könne der Datenschutz hierzulande ein Verkaufsargument für eine solche nationale Datenwolke sein. "Aber ich kann nicht sagen, eine Cloud hier in Walldorf von SAP ist besser als, sagen wir, eine SAP-Cloud 60 Kilometer weiter in Straßburg", sagte der Manager der "Financial Times Deutschland".

Unter Cloud-Angeboten - zu deutsch Wolke - versteht man IT-Angebote wie Software oder reinen Speicherplatz, der zentral zur Anmietung zur Verfügung steht. Seit zwei Jahren wird das Modell einer rein deutschen Datenwolke diskutiert. Der Telekom-Tochter T-Systems gefällt die Idee, mit einem deutschen Cloud-Angebot mit besonderen Qualitätsstandards werben zu können. Konkurrent United Internet hat die Marketingkampagne "Internet made in Germany" aufgelegt. Internationale Konzerne wie HP, IBM oder Microsoft halten wenig davon. SAP seinerseits machte sich zuletzt für einheitliche Datenschutzstandards auf EU-Ebene stark.

Umfragen zeigen, dass deutsche Firmen vor allem auf externe Cloud-Angebote skeptisch reagieren, weil sie Probleme mit Datenschutz und Compliance befürchten, wenn sie sensible Daten auslagern. "Manche Kunden lehnen das heute noch komplett ab", sagte Kleinemeier. "Die Anzahl der Kunden, die ihre IT oder Teile davon auch aus der Hand geben würden, steigt aber."

In einer aktuellen Befragung von TNS Infratest im Auftrag der Deutschen Telekom, aus der die "FTD" zitiert, gaben 78 Prozent der befragten Unternehmen an, für sie sei es äußerst oder sehr wichtig, dass die Datenverarbeitung für ihr Unternehmen im Geltungsbereich des deutschen Datenschutzrechts erfolgt. Nach Einschätzung von Kleinemeier ist Datenschutz das einzige Argument, das für Cloud-Angebote aus Deutschland sprechen würde.

2011 erzielte SAP mit Cloud-Software einen Umsatz von 18 Millionen Euro - bei Gesamterlösen von 14,2 Milliarden Euro. Um das Geschäft auszubauen, kauft SAP gerade die US-Firma Successfactors. (dpa/tc)