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Kirch erhält Zahlungsaufschub

17.12.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die hoch verschuldete Kirch-Gruppe muss ihren von der Dresdner Bank erhaltenen Kredit in Höhe von 900 Millionen Mark erst Ende Januar 2002 zurückzahlen. Ursprünglich wäre die Rückerstattung bereits zum Jahresende 2001 fällig gewesen. Die Dresdner Bank verlängerte die Frist jedoch am vergangenen Freitag, nachdem die Kirch-Gruppe weitere Anteile an ihrer spanischen TV-Gesellschaft Telecinco an die Finanzdienstleister verpfändet hatte. Mit dem Aufschub gewinnt der bayerische Medienkonzern mehr Zeit, den geplanten Verkauf seine 25-prozentige Beteiligung an Telecinco abzuschließen und dadurch Bargeld in die leeren Kassen zu bekommen. Der französische Sender TF1 hat bereits sein Interesse bekundet. Der Telecinco-Anteil von Kirch wird von Experten auf einen Wert von rund einer Milliarde Mark geschätzt.

Trotz allem ist der Medienkonzern von Leo Kirch noch längst nicht aus dem Gröbsten heraus. Das Unternehmen könnte Anfang 2002 durch andere Zahlungsverpflichtungen in die Bredouille geraten. Dann nämlich muss Kirch dem Axel-Springer-Verlag dessen 11,5-prozentigen Anteil an der ProSiebenSat1 Media AG für 1,5 Milliarden Mark abkaufen. Auch dafür fehlt derzeit das Geld. Last, but not least, wartet die Fifa auf eine Zahlung von 700 Millionen Mark für die WM-Fußballrechte 2002.

Insgesamt belaufen sich die Schulden von Kirch nach Schätzungen von Analysten auf sieben bis zwölf Milliarden Mark. Bei der Bayerischen Landesbank, die zur Hälfte dem Freistaat gehört, steht der Medienkonzern mit 4,4 Milliarden Mark in der Kreide. Eine Milliardenpleite in Bayern könnte, so spekuliert das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", vor allem Edmund Stoiber schaden. Die CSU hat sich in der Vergangenheit des öfteren für Kredite an Kirch stark gemacht. Diese Tatsache könnte für Stoiber als potenziellen Kanzlerkandidaten der Union im Wahlkampf hinderlich sein.

Gefahr droht für den Kirch-Konzern auch von anderer Seite. Der australische Medienmogul Rupert Murdoch und sein US-Partner John Malone haben Interesse an einer Übernahme des maroden bayerischen Unternehmens. Murdoch hat bereits 22 Prozent an dem Pay-TV-Sender "Premiere World" von Kirch übernommen. (ka)