Modell für 85 000 Mark

Kienzle floppt auch

18.04.1975

VILLINGEN - Auf der Hannover Messe stellt Kienzle eine neue Variante innerhalb der System-Familie 6000 vor: Das Modell 6600, dessen wesentliches Merkmal die Kombination von Floppy Disk und Magnetkonto ist.

Die Konzeption, die dahinter steht, weist eine verblüffende Ähnlichkeit mit den Zielvorstellungen eines anderen bedeutenden MDT-Herstellers auf: Nixdorf hält bei dem erst kürzlich angekündigten Modell 8830 ebenfalls am Magnetkonto fest.

Ab 85 000 Mark Kaufpreis

Die Zentraleinheit der 6600 wird in zwei Ausbaustufen von 8 K und 24 K Bytes Hauptspeicher-Kapazität angeboten. Die Zugriffszeit - beträgt 1 Mikrosekunde. Die System-Steuerung übernimmt ein mikroprogrammiertes ROM (Read Only Memory) mit 8 K (24 bit)-Kapazität.

Weitere System-Komponenten: Eingabe-Konsole mit Alpha- und Zehner-Tastatur und als Zusatz 32stelliges Zeilen-Display, Magnetband-Kassette zur Programm-Eingabe, Drucker in zwei Varianten (60 und 120 Zeichen/sek.). Magnetkonten-Einheit sowie Floppy Disk (bis vier Laufwerke).

Neben diesen integrierten I/O-Einheiten lassen sich wahlweise fünf Peripherie-Geräte (zum Beispiel Lochkarten- und Lochstreifen-Geräte, Magnetband-Kassetten, Zweitdrucker) anschließen.

Der Kaufpreis für die 8 K-Version beträgt circa 85 000 Mark und für die 24 K-Anlage etwa 95 000 Mark.

Software-Verfügbarkeit

Das Modell 6600 ist kompatibel zu den älteren Systemen der Familie 6000. Wie von Kienzle verlautet sollen alle Programme mit Magnetkonten-Verarbeitung (MKV) sofort auf der neuen Anlage gefahren werden können.

An Basis-Software gibt es für die "Kienzle-Diskette" ein Floppy Disk Operating System (FDOS). Die Anlage wird in Assembler programmiert.

Zielgruppen

Mit der Kombination MKV und Massenspeicher sollen Klein- und Mittelbetriebe angesprochen werden. die. wie es in der Kienzle-Werbung heißt, "auf das Magnetkonto als lesbares, handliches Display in Kartenform nicht verzichten wollen", jedoch für die Verarbeitung größerer Datenbestände einen externen Speicher wie das Floppy benötigen, das den direkten, wahlfreien Zugriff ermöglicht.

Kienzle stellt sich eine Arbeitsteilung etwa wie folgt vor: Die Finanzbuchhaltung wird über Konten abgewickelt, Auftragsbearbeitung und Lagerbestandsführung werden auf die Floppy Disk gelegt.

Bleibt zu fragen, ob das Festhalten am Magnetkonto ein wirksames Mittel ist, das Vordringen "artfremder" Maschinen wie der Minicomputer in den MDT-Markt zu verhindern, - ganz abgesehen davon, welche Rolle das System /32 spielen wird. Ist der deutsche Buchhalter wirklich so konservativ?