Change-Management bei der Munich Re

Key-User als Botschafter des Wandels

Christoph Witte ist freier Publizist und Kommunikationsberater.
Große IT-Projekte gelingen nur, wenn die Mitarbeiter auf die Veränderungen vorbereitet werden. Das nahm sich die Munich Re bei der Einführung einer zentralen IT-Geschäftsanwendung zu Herzen.

Wenn sich im Unternehmen etwas ändert, sind Mitarbeiter erst einmal skeptisch. Sie können Veränderungen kaum oder gar nicht beeinflussen, sie wissen nicht, was sie am Ende erwartet. Große Projekte kann die mangelnde Akzeptanz zum Scheitern bringen. Das wollte der Rückversicherer Munich Re vermeiden. Mit einem professionellen Change-Management begleitete er die Erneuerung seiner geschäftskritischen und weltweit genutzten Underwriting-Plattform sowie die Anpassung der Buchhaltung und Schadensverwaltung.

Change-Management-Team mit 25 Mitgliedern

Florian Föhr leitete das 25köpfige Change-Management-Team bei der Munich Re.
Florian Föhr leitete das 25köpfige Change-Management-Team bei der Munich Re.
Foto: Münchener Rück/MunichRe

Das 25-köpfige Change-Management-Team unter Leitung von Florian Föhr sollte alle 1400 betroffenen Mitarbeiter einbinden, ihr Feedback in die IT-Projekte einbringen, sie von den Vorteilen der Plattform überzeugen und sie schulen. Zur Unterstützung holte sich das Unternehmen die Change-Spezialisten der Esprit Consulting AG in Haus. Das Change-Management-Team nahm acht Monate vor dem ursprünglich geplanten Rollout seine Arbeit auf. "Der Start lag für ein Projekt dieser Größenordnung relativ spät", sagt Föhr. "Deshalb waren wir nicht unglücklich, als die Plattform um einige Funktionen erweitert werden musste, und sich der Go-Live-Termin um sechs Monate auf Oktober 2009 verschob." So hatte das Team mehr Zeit, den Systemwechsel vorzubereiten.

Ein 25-köpfiges Change-Management-Team wird selbst in der Munich Re, dem weltweit größten Rückversicherer, nicht für jedes IT-Projekt gebildet. Aber die Erweiterung und Vereinheitlichung der Underwriting-Plattform ist für die Unternehmensgruppe mit ihren weltweit 47.000 Mitarbeitern, Beitragseinnahmen von 41 Milliarden Euro und einem Gewinn von zuletzt 2,56 Milliarden Euro von großer Bedeutung. In der Rückversicherungs-Sparte der Gruppe, in der 2009 mit 13.300 Mitarbeitern ein Prämienvolumen von 25 Milliarden Euro erzielt wurde, läuft ein Großteil des Geschäfts über die Underwriting-Plattform.

Underwriting ist das Kerngeschäft der Rückversicherer

Im Underwriting-Prozess bewertet der Rückversicherer, dessen Kunden keine Privatpersonen, sondern Versicherungsunternehmen sind, das von ihm abzusichernde Risiko systematisch, um eine sichere und profitable Risikobewertung vornehmen zu können. Bei dem vom Rückversicherer abzusichernden Risiko handelt es sich entweder um eine Vielzahl von kleinen - in einem so genannten Portfolio zusammengefassten - Risiken oder um einzelne Großrisiken wie eine industrielle Produktionsstätte. Am Beispiel KFZ-Versicherung wird deutlich, was gemeint ist: In die Risikobewertung fließen der Fahrzeugtyp, die Region, in der das Fahrzeug angemeldet ist, die bisherige Fahrpraxis und Schadenhistorie des Versicherten ein. Der Underwriting-Prozess hat zwei Ergebnisse: Auf der einen Seite resultieren aus der Bewertung des Risikos und seiner Häufigkeit im Portfolio die Kosten für den Rückversicherungsvertrag . Auf der anderen Seite stellt die Underwriting-Plattform sicher, dass die Regeln, nach denen Risiken bewertet und abgesichert werden, einheitlich sind und von jedem Underwriter eingehalten werden. Außerdem wird auf dieser Plattform das Geschäft erfasst und dokumentiert. Beides zusammen- Risikobewertung und Regeln - führt zur profitablen Risikobewertung und -verteilung. Nach Abschluss des Geschäfts müssen die Rückversicherungsverträge natürlich verwaltet werden. Das geschieht in den Accounting und Claims-Prozessen. Vereinfacht gesagt, ist das Underwriting der Kernprozess des Rückversicherungsgeschäfts.