Führungstipp

Keiner mag den Stellvertreter

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
„Vor einiger Zeit stellte ich einen jungen Informatiker als meinen Stellvertreter ein. Er ist in meinem Softwareunternehmen unter anderem für die Qualitätskontrolle zuständig. Doch ich merke: Meine langjährigen Mitarbeiter sperren sich gegen ihn. Wo es geht, lassen sie ihn auflaufen. Habe ich den falschen Mann eingestellt?

Stefan Bald, Geschäftsführer bei Dr. Kraus & Partner, Bruchsal, meint dazu:"Vermutlich nicht! Fast alle jungen, unerfahrenen Führungskräfte haben am Anfang Schwierigkeiten, ihrer Führungsrolle gerecht zu werden. In eine solche Rolle wächst man erst mit der Zeit hinein. Hierbei brauchen die angehenden Führungskräfte Unterstützung. Sonst begehen sie zum Beispiel folgenden typischen Anfängerfehler: Sie versuchen in den ersten Tagen bereits vieles umzukrempeln, um ihre Tat- und Führungskraft zu beweisen.

Stefan Bald, Kraus & Partner: "Eine gute Fachkraft ist nicht automatisch auch eine gute Führungskraft."
Stefan Bald, Kraus & Partner: "Eine gute Fachkraft ist nicht automatisch auch eine gute Führungskraft."
Foto: Kraus & Partner

Das führt automatisch zu Spannungen mit den altgedienten Mitarbeitern - gerade wenn "der Neue" für so sensible Aufgaben wie die Qualitätskontrolle zuständig ist, bei der er den anderen Mitarbeitern auch eine Rückmeldung über deren Arbeit gibt. Empfehlen würde ich Ihnen: Schicken Sie Ihren Stellvertreter mal zu einem Führungsseminar. Oder stellen Sie ihm in den nächsten Monaten einen Coach zur Seite, mit dem er darüber sprechen kann, wie er gewisse Führungsaufgaben im Alltag angeht.

Eine gute Fachkraft ist nicht automatisch auch eine gute Führungskraft. Wie erfolgreich Ihr Stellvertreter ist, hängt aber auch von Ihrem Verhalten ab: Lassen Sie Ihren Stellvertreter spüren, dass Sie ihm vertrauen. Und signalisieren Sie zugleich Ihren Mitarbeitern, dass sie mit dem "Neuen" leben müssen. Ansonsten untergraben Sie seine Autorität und Ihre "alten" Mitarbeiter werden stets versuchen, einen Keil zwischen Sie und Ihren Stellvertreter zu treiben.

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