Arbeitszeit

Keine Viertagewoche für Berater

Susanne Köppler ist freie Autorin in München.
Berater sind viel auf Reisen und müssen für den Kunden ständig erreichbar sein. Ist es möglich, für etwas mehr Freizeit nur vier Tage pro Woche zu arbeiten? Oder sich ein halbes oder ganzes Jahr frei zu nehmen – also ein Sabbatical zu machen? Antworten auf diese Fragen lieferte der Karriere-Ratgeber.

Ein SAP-Berater mit zweijähriger Berufserfahrung hat sehr viel Spaß an seinem Beruf. Allerdings merkt er, dass er aufgrund der typischen Belastungen eines Beratungsjobs sehr, zuweilen vielleicht sogar zu viel, gefordert wird. Er fragt im Karriere Ratgeber, ob es im Hinblick auf die vielzitierten Gesichtspunkte Fachkräftemangel und Generation Y ein realistischer Wunsch ist, anstatt fünf Tagen pro Woche nur noch vier Tage zu arbeiten.

Viertagewoche schwierig durchzusetzen

Ulf Andresen ist als Peronalberater bei HSC für das Geschäft mit IT-Consulting-Unternehmen in Deutschland verantwortlich. Auf die Fragen nach der Viertagewoche hat Andresen folgende Antwort gegeben: "Ein Job in der Beratung fordert inhaltlich mehr als eine Inhouse-Tätigkeit, weil Sie bei wechselnden Kunden aufgrund anderer Rahmenbedingungen vor immer neue Herausforderungen gestellt werden, die entsprechend andere Lösungsideen notwendig machen. Und zeitlich mehr, weil Sie in der Regel beim Kunden vor Ort tätig sind, somit reisen müssen und weil der Kunde an den Berater eine besondere Erwartung bezüglich seiner Bereitschaft hat, Überstunden zu machen.

Insofern vereinbaren viele Beratungsunternehmen mit dem Kunden für Ihre Mitarbeiter eine Viertagewoche. Das heißt der Mitarbeiter ist vier Tage beim Kunden vor Ort und am fünften Tag in der Niederlassung seines Arbeitgebers oder im Home Office tätig.

Ulf Andresen begann als Systemanalytiker und arbeitete später als Bereichs- und Geschäftsleiter. Seit über zehn Jahren arbeitet er jetzt als Personalberater für HSC Personalmanagement. Er ist Autor des Buches „Als Führungskraft starten“ und steht damit auch dem IT-Führungskräftenachwuchs mit Rat und Tat zur Seite.
Ulf Andresen begann als Systemanalytiker und arbeitete später als Bereichs- und Geschäftsleiter. Seit über zehn Jahren arbeitet er jetzt als Personalberater für HSC Personalmanagement. Er ist Autor des Buches „Als Führungskraft starten“ und steht damit auch dem IT-Führungskräftenachwuchs mit Rat und Tat zur Seite.
Foto: Privat

Eine grundsätzliche Option auf eine Viertagewoche bei seinem Arbeitgeber durchzusetzen, halte ich auch in der heutigen Zeit für schwierig. Denn nach wie vor ist es so, dass auch die Generation Y in das Consulting-Geschäft strebt - weil man dort aufgrund der genannten wechselnden Kundensituationen sehr viel Erfahrungen sammeln und sich persönlich sowie fachlich sehr schnell weiterentwickeln kann. Auch hier beeinflusst also die Nachfrage die Rahmenbedingungen.

Darüber hinaus soll und muss sich ein Mitarbeiter in ein Beratungsunternehmen integrieren. Das ist bei regelmäßigen Kundeneinsätzen nicht ganz einfach. Üblicherweise wird hierfür der fünfte Tag genutzt, der nicht beim Kunden verbracht wird. Bei vier Tagen Regelarbeitszeit pro Woche würde der Mitarbeiter nur drei Tage beim Kunden vor Ort sein können.

Aber man hat erkannt, dass nicht alle Tätigkeiten beim Kunden vor Ort durchgeführt werden müssen. Viele Tätigkeiten können auch in der Niederlassung des Beratungsunternehmens erledigt werden - ggf. mit Remote-Unterstützung. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Reduzierung der Reisetätigkeit und damit zur Verringerung von Mitarbeiterbelastungen. Auch die Beratungswelt kommt somit einigen Vorstellungen der Generation Y näher, allerdings nicht mit "Sieben-Meilen-Stiefeln".

Sabbatical als gewinnbringende Investition

Ein Münchner SAP BW Berater eines mittelständischen Beratungsunternehmens würde auch gerne weniger arbeiten, da er ein Projekt in einer NGO bearbeiten möchte. Seine Idee ist, sich die Zeit über ein Sabbatical zu nehmen.

Diese Frage beantwortet der auf die IT-Beratungsszene spezialisierte Personalberater so: "Im Gegensatz zur viertägigen Arbeitswoche ist das Sabbatical mittlerweile "hoffähig" geworden. Es wird in Deutschland zwar nur zu 20 Prozent genutzt, aber mit steigender Tendenz. Zumal Forschungen gezeigt haben, dass sowohl Angestellte als auch Unternehmen von der Auszeit profitieren. So verringert sich der Stress nicht nur während der Sabbatzeit, sondern auch nach dem Wiedereinstieg in den Job.

Nur 20 Prozent der Arbeitnehmer nutzt ein Sabbatical, obwohl Angestellte und auch das Unternehmen davon profitieren können.
Nur 20 Prozent der Arbeitnehmer nutzt ein Sabbatical, obwohl Angestellte und auch das Unternehmen davon profitieren können.
Foto: contrastwerkstatt - Fotolia.com

Obwohl die Vorteile eines Sabbaticals für das Unternehmen nicht unmittelbar greifbar sind, kann es sich auf lange Sicht als gewinnbringende Investition auszahlen. Neue Erfahrungen, Inspiration sowie erholte und energiegeladene Mitarbeiter steigern deren Motivation und kommen somit auch den Unternehmen zu gute.

Es gibt unterschiedliche Modelle zur Finanzierung und Umsetzung eines Sabbaticals. Der Freistellungsphase sollte eine Anspar- und Arbeitsphase vorausgehen. Beispielsweise ist es möglich, dass man bei gleicher Arbeitszeit ein geringeres Gehalt erhält. Der abgezogene Lohn wird schließlich während des Sabbaticals ausgezahlt. Zudem besteht die Möglichkeit eines Arbeitszeitkontos, auf das Überstunden "eingezahlt" werden können. Im Sabbatjahr kann man die ersparten Stunden aufzehren.

Ganz wichtig: In einem bezahlten Sabbatical wird die Sozialversicherung weiterhin vom Arbeitgeber gezahlt. Schwieriger ist die Finanzierung eines unbezahlten Sabbaticals, denn hier muss sich der Arbeitnehmer eigenverantwortlich um Finanzierung und Versicherung kümmern."

Ein Tag mit Beratern und anderen IT-Experten

Was macht eigentlich ein IT-Berater? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir Berater, aber auch Entwickler, Projektleiter oder Softwarearchitekten einen Tag bei ihrer Arbeit begleitet.