Knowledge Management

Keine Rechnung ohne den Wirt

27.02.1998

Knowledge-Management soll Informations-Management ablösen. Als Schlagwort hat der Begriff Karrierechancen, was die Umsetzung im Unternehmen betrifft wohl weniger. KM dürfte als vermeintlich neue Methode, das unternehmensrelevante Expertenwissen der Mitarbeiter abzuschöpfen, auf die selben Widerstände stoßen, wie all die anderen "Enabler" des idealen Unternehmens.

Wenn schon Vertriebsinformationssysteme (VIS) nicht von den Vertrieblern selbst gepflegt werden, die neue Informationen laut Funktionsbeschreibung eigentlich in die Systeme eingeben müßten, wie hoch sind dann die Chancen, Mitarbeiter zu motivieren, ihr persönliches, möglicherweise arbeitsplatzerhaltendes Wissen preiszugeben? Wie ein McKinsey-Beispiel (Seite 110) zeigt, ist denn auch ein gewisser Druck erforderlich, der durch den Einsatz von Technik und das Schaffen einer Quasi-Öffentlichkeit im Unternehmen erzeugt wird. Knowledge-Managementsysteme können damit Selektionsverfahren in Gang setzen, die manche Mitarbeiter "so nicht" unterstützen werden.

Wer Wissens-Management einführen will, muß als erstes seine Mitarbeiter dafür motivieren und Kommunikationsdefizite aufarbeiten.

Es gilt, den Mitarbeitern klar zu machen, daß ihre Karrierechancen ungleich höher zu bewerten sind, als die Angst, überflüssig zu werden. Die aber stellt sich natürlich ein, wenn das eigene kostbare Know-how aus einem speziellen Projekt für andere Kollegen jederzeit verfügbar gemacht wird. Anreiz- und Bonussysteme können diese Schwellenängste überwinden helfen, doch wie lange und wie überzeugend?

Hinzu kommt, daß der Nutzen der in der Einführungsphase kostenintensiven Systeme kurzfristig nur schwer nachweisbar ist; dennoch wird der Finanzvorstand schnell Erfolgsmeldungen hören wollen.