Beraterkarrieren

Keine Angst vor großen Rechnern

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Anke Wagner, Großrechnerspezialistin bei Accenture, berät Unternehmen. Nicht alle IT-Senioren bei den Kunden sind der Situation gleich gewachsen.
Im Mainframe-Bereich sind Frauen nach wie vor die Seltenheit.
Im Mainframe-Bereich sind Frauen nach wie vor die Seltenheit.
Foto: Scanrail - Fotolia.com

Wenn Anke Wagner mit ihrem Team zu einem neuen Kunden reist, fällt der Empfang manchmal etwas frostig aus. Ihr gegenüber sitzen meist ältere Männer, die nicht mit einer Projektleiterin rechnen. „Als jüngere Frau muss ich erst beweisen, dass ich Ahnung habe", sagt die 43-jährige Informatikerin. Sie amüsiert dieses Kräftemessen zu Beginn eines Projekts, manchmal wettet sie mit sich selbst, wie lange es dauern wird, die machtbewussten Herren zu überzeugen. Geschafft hat sie es noch jedes Mal.

Studium mit Männerüberschuss

1994 begann Anke Wagner bei Accenture als Programmiererin. Heute leitet die Informatikerin Teams mit bis zu 15 Mitarbeitern.
1994 begann Anke Wagner bei Accenture als Programmiererin. Heute leitet die Informatikerin Teams mit bis zu 15 Mitarbeitern.
Foto: Accenture

Angst vor Technik ist Wagner fremd. Als Mädchen reparierte sie mit ihrem Vater das Familienauto. Die Eltern unterstützten ihre Töchter darin, ihren Neigungen nachzugehen: „Mathe und Physik waren immer meine Lieblingsfächer." In der Schule entschied sie sich für Informatik als Wahlfach, an der Fachhochschule Frankfurt studierte sie dann Ingenieur-Informatik. Neben ihr ließ sich nur eine weitere Studentin auf dieses Studium ein. „Ein Professor fragte mich, wieso sich eine so normale Frau wie ich für so ein Studium entscheiden könne. Eine Woche später entschuldigte er sich dafür." Frustrieren konnten solche Kommentare die Studentin nicht: „Für mich war das ein Traumstudiengang." Es war eine „wunderschöne Zeit", und der „Männerüberschuss" hatte auch gute Seiten: Einer ihrer Kommilitonen ist heute ihr Ehemann.

Im Studium lernte Wagner auch viel über männliche Verhaltensmuster, was ihr im Arbeitsleben weiterhalf: „Es ist wichtig, selbstbewusst zu sein und ‚hier‘ zu rufen, wenn eine interessante Position vergeben wird." Nach ihrem Examen sammelte sie zwei Jahre anderswo Berufserfahrung, bevor sie sich 1994 bei Accenture bewarb. „Ich hatte Erfahrung mit Großrechnern und begann bei Accenture als Programmiererin. In meinem ersten Projekt arbeitete ich mit Kollegen aus den USA und den Philippinen zusammen. Im Team waren gleich viele Männer und Frauen."

Heute leitet sie Teams mit zehn bis 15 Mitarbeitern. Nach der Geburt ihres ersten Sohnes arbeitete sie nach einem Jahr Erziehungszeit in Teilzeit weiter: „1997 bestand noch kein gesetzlicher Anspruch auf Teilzeit, doch Accenture gab mir die Möglichkeit dazu." Vor einigen Jahren erhöhte sie ihr Stundenkontingent von 50 auf 75 Prozent einer vollen Stelle und betreut heute Projekte in ganz Deutschland. Von Montag bis Donnerstagnachmittag arbeitet sie vor Ort beim Kunden, den Rest der Woche widmet sie ihrer Familie. „Mein Mann kümmert sich morgens um unsere Söhne, nachmittags unterstützt uns meine Schwiegermutter", sagt Wagner. Hort, Schulmensa und Mittagsbetreuung in der Schule ermöglichen es den Eltern, berufstätig zu sein. „Unsere Kinder sind sehr selbständig", lobt Wagner die inzwischen zehn- und 14-jährigen Söhne.

Dass die Großrechnerspezialistin ihre Führungsaufgaben bewältigen kann, liegt auch an einer guten Organisation im Job: „Ich habe in meinem Team für je drei bis vier Mitarbeiter Unterteams gegründet, die ein Thema bearbeiten. Ein Kollege übernimmt die Verantwortung in den kleineren Arbeitsgruppen und ist Ansprechpartner für den Kunden, wenn ich nicht da bin. Telefonisch bin ich immer erreichbar."