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Kein Schutz vor Klickbetrug - Google vor dem Kadi

30.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Ein Anbieter von Online-Marketing-Tools hat bereits am vergangenen Freitag vor dem US-Bezirksgericht in San Jose, Kalifornien, Klage gegen Google eingereicht. Der Suchmaschinengigant schütze seine Werbekunden nicht ausreichend vor Klick-Betrügern, lautet der Vorwurf. Dem Kläger sei ein Schaden in Höhe von rund fünf Millionen Dollar entstanden, weil seine an Keywords gekoppelten bezahlten Suchergebnisse immer wieder missbräuchlich - also ohne jede Kaufabsicht - geklickt worden seien. Auf diese Weise sorgten Wettbewerber dafür, dass ein Teil des Werbekontingents des Klägers ohne jeden Effekt verpuffte.

Dieser Fall ist nicht der erste: Bereits im April war eine ganze Reihe von Unternehmen gegen Internet-Firmen wie Google, Yahoo oder AOL vor Gericht gezogen (Computerwoche berichtete). Auch sie beschwerten sich über den massiven Missbrauch so genannter Sponsored Links und die Tatsache, dass die Portalbetreiber zu wenig dagegen unternähmen.

Die Werbeform wird von Google & Co üblicherweise neben herkömmlichen Suchergebnissen präsentiert. Die Kunden kaufen sich eine bestimmte Anzahl von Klicks auf Suchbegriffe (Keywords), zu denen sie ihre Werbung eingeblendet sehen möchten. Diesen Umstand machen sich Konkurrenten der Werbetreibenden zunutze, indem sie die Kosten durch wiederholtes manuelles Anklicken oder mit Hilfe so genannter Clickbots künstlich in die Höhe treiben. Da die Preise von gesponserten Links sich innerhalb von fünf Jahren verzehnfacht, teilweise sogar um das Zwanzig- bis Hundertfache erhöht haben, entsteht den Geschädigten ein immenser Schaden. Nicht nur läuft ihre teuer bezahlte Online-Werbung ins Leere. Sie verlieren auch Einnahmen aus entgangener Geschäftstätigkeit.

Ein Google-Sprecher kommentierte die neuerliche Klage gegenüber der Presse damit, dass an den Vorwürfen nichts dran sei. Google werde sich vehement zur Wehr setzen. Außerdem habe man Techniken und Personal, um Klickbetrug zu bekämpfen. Dass die Vorkehrungen nicht immer ausreichen, hatten in der Vergangenheit mehrere Einzelfälle eindrucksvoll belegt.

Weder Google, noch dessen größter Rivale Yahoo haben bislang veröffentlicht, welcher Prozentsatz an Klicks auf bezahlte Suchergebnisse im Durchschnitt manipuliert wird. Unabhängige Beobachter schätzen, dass es sich um rund 20 Prozent oder mehr handelt.

Eine Reihe von Tool-Anbietern macht inzwischen ein Geschäft daraus, Google & Co. dabei zu helfen, Klickbetrüger zu identifizieren und zu stoppen. Zu den Spezialisten zählen etwa Click Defense, Alchemist Media oder Click Detective. (hv)