Analyse ist wichtig

Kein grünes Rechenzentrum um jeden Preis

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Green IT ist eine gute Sache. Keine Frage. Doch Energiesparkonzepte in einem Rechenzentrum umzusetzen, kostet viel Geld. Allein schon für das erforderliche Expertenwissen müssen Firmen tief in die Tasche greifen. Green IT um jeden Preis ist vor allem für mittelständische Firmen der falsche Ansatz.

Das Rechenzentrum des auf Managed Services spezialisierten IT-Dienstleisters Interoute ist zu klein. Darum müssen sich Country Manager Jens Leuchters und der für das Data-Center zuständige Jürgen Knaack sowie der Director Data Center Axel Wendt Gedanken um eine Erweiterung des Komplexes in Berlin-Kleinmachnow direkt hinter der deutschen Ebay-Zentrale machen. An Fläche mangelt es nicht. Vielmehr ist das Unternehmen mit der verfügbaren Energieleistung, die sie Kunden momentan in ihrem Rechenzentrum zur Verfügung stellen können, zu 75 Prozent ausgelastet. Noch nicht entschieden hat die Unternehmensleitung, ob sie den Vorstellungen der drei Manager entsprechen soll, ein neues Rechenzentrum neben dem ebenfalls erst wenige Jahre alten einzurichten. Oder das bestehende durch eine Erweiterung auszubauen.

Dabei haben die drei Führungskräfte konkrete Vorstellungen, wie auch das Thema Umwelt in die RZ-Planung einbezogen werden sollte. Ganz so einfach ist es übrigens nicht, sich für einen konsequenten Weg in Richtung Green IT zu entscheiden. Denn das bedeutet zunächst einmal, dass enorm investiert werden muss: Sowohl in Expertenwissen, das Geld kostet, denn man muss sich das von außen holen. Als auch in Hard- und Software sowie RZ-Kontrollsysteme, die Luft- und Kühlströme in einem Data Center überwachen und analysieren müssen etc. Bevor also die Auswirkungen eines Green-IT-Konzepts für ein Unternehmen in barer Münze erkennbar werden, weil man etwa bei den Energieausgaben sparen kann, muss man erst einmal "viel Geld in die Hand nehmen", wie Leuchters sagt.

Tipps für ein stressfreies Green-IT-Konzept

Im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE haben Leuchters, Knaack und Wendt festgehalten, was Unternehmen unbedingt berücksichtigen sollten, wenn sie ein Green-IT-konformes RZ-Konzept verwirklichen wollen.

Zunächst einmal sollte genau analysiert werden, welches die aktuelle Situation, der Zustand ist, in der sich ein Rechenzentrum befindet. Wendt dazu: "Man sollte sich die einfachen Fragen stellen: Was habe ich? Was will ich? Und was kann ich realisieren?" Dazu gehört auch die Entscheidung, ob RZ-Betreiber ihr Data Center im kleinen oder im großen Stil ausbauen wollen oder ob gleich ein ganz neues RZ gebaut werden sollte. Will das Unternehmen ausbauen, muss es sich beispielsweise vorher auch Gedanken darüber machen, welche Infrastruktur sich wie in ein Gebäude verfrachten lässt. Scheint einfach, aber Generatoren zum Ausbau der Stromversorgung für Rechenzentren haben Dimensionen, die nur mit Kränen zu bewältigen sind - und die nicht durch herkömmliche Türen passen. Der Carrier aus Kleinmachnow etwa wird gezwungen sein, Außenwände aufzubrechen.

Expertenblog: Best of IT Solutions

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