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Kein Geld für europäische GPS-Alternative?

12.12.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das europäischen GPS-Alternativprojekt (Global Positioning System) "Galileo" droht an mangelnder finanzieller Rückendeckung zu scheitern. Die Verkehrsminister der Mitgliedsstaaten konnten sich in der vergangenen Woche nicht dazu durchringen, den 50-prozentigen Anteil der Gemeinschaft an den Projektkosten von gut 2,5 Milliarden Euro zu bewilligen. Im November hatte die europäische Raumfahrtbehörde ESA noch ihren Obolus von rund 520 Millionen Euro zugesagt. Die Galileo-Gegner sorgen sich um das Preis-Leistungsverhältnis und den mehr als 20-jährigen Finanzierungsbedarf - selbst wenn sich das System eigentlich durch Nutzerbeiträge und Steuern auf Endgeräte selbst tragen soll.

Die EU hatte Galileo ursprünglich entwickelt, um die Abhängigkeit vom amerikanischen GPS zu verringern, das vom Militär betrieben wird und in Kriegszeiten abgeschaltet oder gestört werden kann. In Kombination mit dem US-Dienst würden Dual-Band-Empfänger für Galileo und GPS zudem eine höhere Genauigkeit erzielen. "Ein Großteil der Forschung und Entwicklung für Galileo ist schon gelaufen. Es wäre ein Jammer, wenn die EU jetzt noch den Stecker rausziehen würde", warnt Richard Langley, Professor für Geodäsie an der University of New Brunswick.

Ein wenig Hoffnung auf ein zweites globales Satelliten-Navigationssystem macht laut Langley auch das russische "Glonass", das noch zu Sowjetzeiten entwickelt wurde und in der jüngeren Vergangenheit ebenfalls mangels Finanzierung dahindümpelte. Am 1. Dezember haben die Russen aber zumindest drei neue Trabanten in die Umlaufbahn katapultiert und damit die Zahl der Glonass-Satelliten auf neun erhöht. Im Rahmen eines mit umgerechnet knapp 800 Millionen Dollar teuren Programms soll Glonass bis zum Jahr 2005 aus 18 bis 20 Satelliten bestehen, so der US-Wissenschaftler. (tc)