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"Kein Friede-Freude-Eierkuchen-Club"

19.11.2002
Der alte und neue Geschäftsführer von HP Deutschland, Jörg Menno Harms, sprach mit der CW über die Gründe für seine Rückkehr an die Firmenspitze und den Stand der Fusion mit Compaq.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) -Überraschend hat der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende von HP Deutschland, Jörg Menno Harms, mit dem bisherigen Geschäftsführer Heribert Schmitz die Plätze getauscht. Mit Harms sprach CW-Redakteur Joachim Hackmann.

CW: Der Zusammenschluss von HP und Compaq hat sich in Deutschland als Drahtseilakt erwiesen. Welcher Zusammenhang besteht zwischen den Fusionsproblemen in Deutschland und dem Wechsel in der Geschäftsführung?

HARMS: Es gibt keinen Zusammenhang. Heribert Schmitz ist aus persönlichen Gründen zurückgetreten. Sein Team hat Erfolge erzielt und natürlich auch Schwierigkeiten gehabt. Die Fusion in Deutschland ist auf ähnlichem Niveau verlaufen wie der weltweite Zusammenschluss. Der Prozess wird weitergehen, denn wir sind noch nicht am Ende.

Will "Ruhe in den Veränderungsprozess bringen": HP-Chef Harms.
Will "Ruhe in den Veränderungsprozess bringen": HP-Chef Harms.

CW: Sie haben sich vor zirka zwei Jahren aus dem operativen Geschäft in den Aufsichtsrat zurückgezogen. Was hat Sie bewogen, nun dort wieder einzusteigen?

HARMS: Der Aufsichtsrat und die Gesellschafter haben mich gebeten. Ich muss gestehen, ich habe zunächst ein wenig gezögert - es ist nicht normal, dass man als Aufsichtsratsvorsitzender in das operative Geschäft zurückkehrt. Es geht aber darum, in der kritischen Zeit der Zusammenführung des Unternehmens ein bekanntes Gesicht und nicht wieder ein neues Management zu engagieren. Damit soll Ruhe in den Veränderungsprozess gebracht werden. Es sollte jemand sein, der im Markt bekannt und bei den Mitarbeitern akzeptiert ist. Daraufhin habe ich zugestimmt.

CW: Sie haben sich damals zurückgezogen, um selbständig zu arbeiten und mehr Zeit für die Familie zu finden. Hat das keine Gültigkeit mehr?

HARMS: Doch. Ich werde mich auch wieder selbständig machen. Die Notwendigkeit und Dringlichkeit haben mich aber überzeugt, in die Pflicht zu gehen. Möglicherweise liegt das auch an meinem preußischen Charakter. Ich bin in diesem Unternehmen über 33 Jahre tätig gewesen. Ich habe hier gelernt, gelebt, viel Spaß gehabt und die Zeit sehr genossen. Wenn die Company ruft, werde ich mich dem nicht verweigern.

CW: Warum zieht sich Herr Schmitz in einer solchen Phase aus dem Geschäft zurück?

HARMS: Eins muss ich ganz entschieden klarstellen. Ich kenne Heribert Schmitz schon sehr lange und habe großen Respekt vor seiner Leistung. Seine persönliche Entscheidung respektiere ich und werde sie nicht interpretieren.

CW: Aber er hat die Fusion nicht zu Ende gebracht.

HARMS: Zum Großteil ist sie auf den Weg gebracht. Die Verschmelzung zum 1. November ist vollzogen, nachdem sehr viele Aufgaben erledigt worden sind. Wir meinen, es war ein guter Zeitpunkt für den Wechsel, wenngleich es natürlich bessere Anlässe geben mag.

CW: Nach Ihrem damaligen Rücktritt gab es mit Rainer Geissel und Heribert Schmitz bereits zwei Geschäftsführer in Deutschland mit relativ kurzen Engagements. Ist mit Ihnen an Bord mehr Kontinuität zu erwarten?

HARMS: Das streben wir an. Ich habe einen Vertrag als Geschäftsführer für drei Jahre - das ist übrigens normal bei HP. Ich lege Wert auf die Feststellung, dass ich nicht nur für kurze Zeit da sein werde. Das würde mir auch nicht gefallen.

CW: HP hat lange Zeit den Ruf als mitarbeiterfreundliches Unternehmen genossen. Nun sind Compaq-Beschäftigte vom Stellenabbau vergleichsweise stärker betroffen als die alte HP-Belegschaft. Fürchten Sie ein vergiftetes Klima?

HARMS: Ein Vergleich der zu streichenden Stellen darf sich nicht auf die existierende Mitarbeiterbasis beziehen. Es gibt einige HP-Bereiche, die überhaupt nicht berührt sind - etwa das Druckergeschäft und die Fertigungsstätten, die für den europäischen Markt produzieren. Dort bestehen keine Überschneidungen. Wenn nur die sich überlappenden Aktivitäten betrachtet werden, erkennt man, dass die Abbaumaßnahmen fair verteilt sind. Man sollte Äpfel mit Äpfeln vergleichen.

CW: Weht jetzt ein anderer Wind bei HP?

HARMS: Unsere Firmenkultur ist mitarbeiterorientiert und fordert gleichzeitig unternehmerisches Handeln. Wir sind kein Friede-Freude-Eierkuchen-Club. Das waren wir noch nie. Wir müssen uns um unsere Kunden kümmern, produktiv sein und Gewinne machen. Bei uns wehte immer schon ein frischer Wind.

CW: Im Rahmen der Fusion wurden zunächst 15.000 Stellenstreichungen angekündigt. Nun sollen weitere 1500 Arbeitplätze abgebaut werden. Sind auch Jobs in Deutschland betroffen?

HARMS: Nein.