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Kein DSL-Line-Sharing mehr in den USA

08.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Deutschen Telekom muss die USA derzeit wie ein Schlaraffenland vorkommen: Während der Carrier hierzulande mit der Bundesnetzagentur und Konkurrenten um die Preise für das DSL-Line-Sharing ringt, hat die dortige Regulierungsbehörde FCC gerade die marktbeherrschenden Telcos von dieser Verpflichtung befreit. Wie die Betreiber von TV-Kabelnetzen sind diese nun nicht mehr verpflichtet, Untermieter auf ihrem Netz aufzunehmen.

Im Zuge des Line-Sharings müssen marktbeherrschende Carrier wie hierzulande die Telekom oder die vier großen Baby Bells in den USA Teile des Frequenzbandes der Teilnehmeranschlussleitung, also der letzten Meile von der Vermittlungsstelle bis zum Endkunden, an Wettbewerber wie etwa DSL-Provider vermieten. In der Vergangenheit wurde diese Regulierung immer damit begründet, dass sie zu mehr Wettbewerb unter den Anbietern und damit mehr Innovationsfreude führe. Ferner bringe sie für den Endkunden günstigere Preise.

In den USA hat die FCC, mittlerweile mit George-W.-Bush-Getreuen besetzt, nun diese Line-Sharing-Regulierung gekippt. Seine Entscheidung zugunsten der Monopolisten begründet FFC-Chairman Kevin Martin damit, dass "die Verbraucher nun von einem stärkeren Wettbewerb im Internet-Access-Geschäft profitieren und bald mit innovativen High-speed-Diensten zu niedrigeren Preisen rechnen können". Von den Baby Bells wurde die FCC-Entscheidung mit Applaus begrüßt. Sie würde die Investitionsbereitschaft der Carrier fördern und sie bei der Verwirklichung von President Bushs Ziel einer US-weiten Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen im Jahr 2007 unterstützen, hieß es in ersten Stellungsnahmen.

Verhalten nahm man dagegen die Entscheidung bei den größeren DSL-Providern auf. Aufgrund längerfristig bestehender Verträge befürchten sie vorerst keine Veränderungen. Deutlichere Worte fanden dagegen Verbraucherschützer, die die FCC-Entscheidung als wettbewerbshemmend einstuften. Ferner würde es den Marktzutritt für kleinere Provider erschweren. In letzter Konsequenz, so die Kritik der Verbraucherschützer, führe der Line-Sharing-Verzicht zu höheren Preisen und schlechterem Service. (hi)