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Kein Ausverkauf - Borland lässt Interessenten abblitzen

23.09.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Verwaltungsrat von Borland hat wenig überraschend ein Angebot des Großaktionärs und früheren Directors Robert Coates abgelehnt, einige Produktlinien, darunter die populäre Programmiersprache Delphi 4GL sowie den Middleware-Bereich Deploy (Visibroker, Borland Application Server und ähnliche Software), zu kaufen. Delphi und Deploy seien ein wichtiger Bestandteil von Borlands Geschäft und daher unverkäuflich, so die Antwort des Boards. Medienberichten zufolge hatte Coates für den Bereich 150 Millionen Dollar geboten.

Der Investor hatte bereits Anfang Juli vorgeschlagen, dass Borland das Geschäft mit Tools und Middleware in ein eigenständiges Unternehmen ausgliedert und sich anschließend auf das Gebiet Application Lifecycle Management (ALM) konzentriert. Als kleines Unternehmen mit einem umfangreichen Produktportfolio falle es Borland schwer, sich zu fokussieren. Der Hersteller hatte damals eine Gewinnwarnung für das zweiten Quartal 2005 herausgegeben und angekündigt, dass Dale Fuller von seinem Posten als CEO und President zurücktritt (siehe auch: "Borland-CEO tritt nach Gewinnwarnung zurück").

Trotz der offenkundig schwachen Geschäfte wies das Borland-Board den Vorschlag des enttäuschten Anlegers bereits damals zurück. Obwohl er acht Monate im Verwaltungsrat gesessen habe, sei Coates nur ein einfacher Aktionär, der kaum den Willen der Anleger repräsentiere.

Dieser reagierte mit einem Kaufangebot. Nach den jahrelangen Fehlentscheidungen, die ihm und andere Aktionären Millionen von Dollar gekostet hätten, wolle er das Schicksal selbst in die Hand nehmen, hatte Coates erklärt.

Trotz der erneuten Abfuhr will der enttäuschte Aktionär nicht klein bei geben. Er werde den Verwaltungsrat mit einem neuen Angebot an den Verhandlungstisch bringen, so Coates. (mb)