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Kehrtwende: Motorola kauft die Hälfte von UIQ

16.10.2007
Motorola kauft die Hälfte der Interface-Tochter von Sony Ericsson und besinnt sich damit zurück auf Symbian - dahinter dürften Probleme mit Linux stecken.

UIQ ist neben Series 60 von Nokia die wohl populärste Symbian-Oberfläche. Sony Ericsson, das UIQ in seinen höherwertigen Smartphones verwendet, hatte die Firma erst Ende letzen Jahres übernommen und wird sich nun freuen, die Entwicklungskosten mit einem so prominenten Partner teilen zu können.

Was Motorola betrifft, riecht der Kauf allerdings nach Problemen bei der Entwicklung multimedialer Anwendungen für Linux, das Motorola eigentlich zur strategischen Betriebssystembasis für seine Midrange- und Highend-Mobiltelefone auserkoren hatte. Der Einstieg bei UIQ stellt somit eine echte Kehrtwende dar.

Motorola hatte seinen früheren 19-prozentigen Anteil an Symbian im Jahr 2003 verkauft und sich seither auf nur drei Plattformen konzentriert - Windows Mobile für Business-Smartphones, Linux für das mittlere Marktsegment und das hauseigene System "Ajar" für den Massenmarkt. Für die Rückbesinnung auf Symbian hatte Alain Mutricy, Platforms Senior Vice President von Motorola Mobile Devices, auf einer Pressekonferenz gestern in London jedenfalls keine einleuchtende Erklärung parat. "Wir bauen einfach unser Portfolio aus", erklärte der Motorola-Mann.

Der AppLauncher von UIQ 3.1
Der AppLauncher von UIQ 3.1

Das Investment in UIQ werde es Motorola erlauben, wettbewerbsfähige Multimedia-Geräte auf den Markt zu bringen. Die Flexibilität der Oberfläche werde es dabei gestatten, auf regionale Präferenzen sowie die Anforderungen von Netzbetreibern bezüglich Customizing und Branding einzugehen, so Mutricy weiter. Nachdem Motorola zuvor aber seine Plattformen bewusst auf nur noch drei eingedampft hatte, kann eine neuerliche Erweiterung auf vier eigentlich nur Probleme mit Linux bedeuten.

"Indem Motorola speziell die multimedialen Fähigkeiten von UIQ herausstellt, lässt es unweigerlich Zweifel an den entsprechenden Möglichkeiten seiner eigenen, auf Linux basierenden Plattform MOTOMAGX aufkommen", konzedierte dann auch der Ovum-Analyst Tony Cripps. "Das Unternehmen muss klarer machen, wie es seine verschiedenen Plattformen in unterschiedlichen Gerätesegmenten verwenden will, um weitere Kritik bezüglich hier mangelnden Fokus zu vermeiden."

Sony Ericsson hat die Belegschaft von UIQ seit seiner Übernahme bereits auf 350 Mitarbeiter mehr als verdoppelt und Symbian-Handyhersteller im Februar dieses Jahres eingeladen, sich bei der Softwaretochter einzukaufen. Gemeinsam mit Motorola erneuerte es diesen Appell nun nochmals. Beide Firmen betonten ausdrücklich, dies richte sich nicht gegen Marktführer Nokia. Wahrscheinliche Ziele sind aber dennoch Samsung und LG, die beide die Symbian-Oberfläche von Nokia in Lizenz genommen haben.

Sony Ericsson und Motorola sind zumindest übereingekommen, dass UIQ einen unabhängigen Verwaltungsratsvorsitzenden (Chairman) bekommt und hersteller- und chipsatzunabhängig entwickelt. Die UIQ-Oberfläche soll an alle Gerätehersteller zu gleichen Konditionen lizenziert werden. Eine der Stärken von UIQ ist Touchscreen-Bedienung - wichtig weniger, um Konkurrenzprodukte zu Apples iPhone zu bauen als vielmehr für die Eingabe von Zeichen für den riesigen chinesischen Markt. (tc)