Fehlende Fremdfinanzierung

Kaum Kredite für IT-Startups

09.11.2012
Deutsche IT-Gründer sind älter als gedacht und finanzieren ihr Startup aus Eigenkapital und Einnahmen aus ihrer Geschäftstätigkeit. Das sind zwei überraschende Ergebnisse einer aktuellen Bitkom-Studie.
Bitkom-Präsident Dieter Kempf. "Gründungsstorys wie bei Facebook sind in Deutschland noch die Ausnahme".
Bitkom-Präsident Dieter Kempf. "Gründungsstorys wie bei Facebook sind in Deutschland noch die Ausnahme".
Foto: Bitkom

"Die Untersuchung räumt mit einer ganzen Reihe von Klischees über die Gründerszene auf", sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf, als er die Studie zur Gründungsdynamik im Bereich IT und Internettechnologien in Berlin vorstellte. So werden nur die wenigsten Unternehmen von Uni-Absolventen gegründet, die gerade ihren Abschluss in der Tasche haben. Das Durchschnittsalter von IT-Gründern liegt in Deutschland aktuell bei 38 Jahren, sie verfügen über 17 Jahre Berufserfahrung, davon elf Jahre in der Branche. Gleichzeitig besitzt nur die Hälfte der Gründer überhaupt einen Universitätsabschluss. "Gründungsstorys wie bei Facebook sind in Deutschland noch die Ausnahme", so Kempf. Das zeigt auch ein Blick auf die Beschäftigten in den Startups. Nur etwa ein Drittel sind Akademiker, aber die Hälfte hat eine abgeschlossene Berufsausbildung. Ein Drittel der ITK-Gründungen sind der Studie zufolge Ausgründungen aus bestehenden Unternehmen.

Finanzbedarf von 700.000 Euro in den ersten vier Jahren

Verglichen mit anderen Branchen investieren junge IT-Unternehmen deutlich häufiger und deutlich mehr in Forschung und Entwicklung (FuE). Bereits im Gründungsjahr liegen die FuE-Investitionen im IT-Bereich 50 Prozent höher als in anderen Branchen. Entsprechend groß ist der Kapitalbedarf. In ein IT-Startup fließen in den ersten vier Jahren durchschnittlich fast 700.000 Euro. Dabei müssen die Gründer bereits im Gründungsjahr knapp 70.000 Euro aufbringen, in den Folgejahren wächst der Finanzbedarf dann kräftig bis auf gut 277.000 Euro im dritten Jahr nach Gründung. "Banken, Venture Capital und öffentliche Zuschüsse spielen bei der Finanzierung von IT-Startups in Deutschland so gut wie keine Rolle", sagt Kempf. "Neu gegründete Unternehmen finanzieren sich von Beginn an primär über Einnahmen aus der eigenen Geschäftstätigkeit und das Eigenkapital der Gründer." Schon im Gründungsjahr kommt fast die Hälfte des eingesetzten Geldes aus ersten Geschäftseinnahmen, rund ein Drittel steuern die Gründer aus eigenen Mitteln bei. Fremdfinanzierung wie Darlehen von Banken und Sparkassen (6 Prozent) oder öffentliche Kredite und Zuschüsse (3 Prozent) haben dagegen nur eine Randbedeutung. Auch Beteiligungskapital (Venture Capital) kommt gerade einmal auf 5 Prozent.

Banken vernachlässigen Startups

Kaum Geld von Banken oder Venture Kapitalisten erhalten deutsche IT-Startups. Sie sind auf Eigenkapital und Einnahmen aus ihrer Geschäftstätigkeit angewiesen.
Kaum Geld von Banken oder Venture Kapitalisten erhalten deutsche IT-Startups. Sie sind auf Eigenkapital und Einnahmen aus ihrer Geschäftstätigkeit angewiesen.
Foto: yamix/Fotolia.com

In den ersten drei Geschäftsjahren verstärkt sich dieses Bild der fehlenden Fremdfinanzierung weiter. 88 Prozent des Finanzbedarfs wird nun aus den Erlösen des laufenden Geschäfts gedeckt. Der Anteil von Bankdarlehen und öffentlichen Krediten sinkt auf je zwei Prozent und auch der ohnehin geringe Anteil von Beteiligungskapital fällt weiter, ebenfalls auf zwei Prozent. "Wenn wir Startups in Deutschland groß machen und zu weltweit erfolgreichen Unternehmen aufbauen wollen, dann muss sich die Finanzierungssituation dringend verbessern", so Kempf. "Global Player lassen sich nicht mit dem Sparbuch der Gründer aufbauen." Banken und private Geldgeber ließen sich Chancen auf gute Gewinne entgehen, wenn sie einen Bogen um IT-Startups machen. 60 Prozent der IT-Gründungen sind nach fünf Jahren noch am Markt. Kempf: "Die meisten Gründer schreiben Erfolgsgeschichten."

München und Berlin sind Gründerhauptstädte

Die IT-Gründerhauptstädte Deutschlands sind laut Studie München und Berlin. Bezogen auf die Einwohnerzahl werden nirgendwo sonst so viele IT-Unternehmen gegründet. Das Rhein-Main-Gebiet mit Frankfurt sowie Hamburg folgen auf den Rängen drei und vier. Betrachtet man das Gründungsgeschehen in den 16 Bundesländern, so liegen die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen vorne. An der Spitze der Flächenländer steht Bayern, gefolgt von Hessen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg. Die fünf ostdeutschen Bundesländer bilden die Schlusslichter.

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