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Kartellprozess: Kläger schlagen Microsoft-Aufteilung vor

28.04.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Am heutigen Freitag werden die Kläger im Antitrust-Verfahren gegen Microsoft, das US-Justizministerium (DOJ = Department of Justice) und 19 einzelne Bundesstaaten, beim Bundesgericht in Washington ihren Vorschlag für die Rechtsmittel vorlegen, die der vorsitzende Richter Thomas Jackson gegen den Konzern verhängen soll. Der gemeinsame Entwurf sieht dem Vernehmen nach eine Aufteilung von Microsoft in zwei unabhängige Unternehmen vor. Eines davon soll sich um Anwendungssoftware (vor allem das "Office"-Paket"), die andere um die Windows-Betriebssystemfamilie kümmern. Der umstrittene Browser "Internet Explorer" würde beiden Firmen zur Verfügung stehen, die Weiterentwicklung obläge allerdings der Office-Company. Dies wäre die größte Zerschlagung eines US-Konzerns seit der Aufteilung des Telefonriesen Bell System in acht Companies.

Ungewiss ist allerdings, ob Jackson dem Antrag folgen wird. Selbst wenn dies der Fall wäre, würde eine Entscheidung keineswegs mit sofortiger Wirkung vollzogen. In einem dann wahrscheinlichen Berufungsverfahren vor dem Supreme Court (US-Pendant zum Bundesgerichtshof) dürfte mindestens ein weiteres Jahr ins Land gehen, bevor ein endgültiges Urteil gefällt wird.